Dietrichs Rache

ein (wahrer) Erlebnisbericht von Frank Klare


5. Kapitel

Der Fotoapparat wollte einfach nicht funktionieren! Mit diesem Apparat hatte ich zuvor zig Fotos ohne Probleme machen können. Der Film war etwa halb voll, als ich versuchte, die Vitrine zu fotografieren. Ich versuchte es trotzdem, auch wenn der Apparat unberechenbar reagierte. Also hatte ich cirka 12 Versuche gemacht, ohne große Hoffnung, nachher auch nur einen brauchbaren Abzug zu erhalten. Zufall? Nachdem ich abends wieder daheim war, knipsten meine Frau und ich sofort den Film voll. Der Apparat funktionierte einwandfrei! Zufall? Es folgten nun drei lange Tage des Wartens, als der Film zur Entwicklung war. Am Freitag, dem 12. 03.1999 (mittlerweile führe ich eine Art „paranormales Tagebuch“) war es nachmittags soweit, die Fotos waren fertig.

Von den 12 Versuchen, die Vitrine zu fotografieren, wurden zu meinem Überraschen sechs entwickelt. Der nächste absolute Beweis, dass Paranormales im Spiel ist: Auf zwei der Fotos erkennt man durch die Glasreflexion der Vitrine ganz deutlich eine Person auf dem Sofa sitzen. Nicht zuletzt aufgrund unserer Kleidung, die wir an diesem Tag trugen, konnten wir sagen, auf dem Sofa saß weder meine Mutter noch ich. Außer uns war jedoch zur fraglichen Zeit niemand anwesend! Zwei der anderen Fotos zeigen verschiedene Gesichter sowie einen dreidimensionalen Raum, im welchen zwei Personen stehen. Ort und Personen sind mir jedoch völlig unbekannt!

Abbildung: Die (nicht anwesende) sitzende Person auf dem Sofa (rechts im Bild)

Interessanterweise sind alle Bilder davor und danach fehlerfrei entwickelt worden. Nur von den 12 Vitrinenfotos sind sechs gar nichts, vier paranormal und zwei „normal“ geworden. Aus diesem Grund habe ich eine Großzahl an Nachentwicklungen in Auftrag gegeben. Sehen die nächsten Abzüge erwartungsgemäß identisch aus, lasse ich die Negative fototechnisch untersuchen, um einen Filmfehler auszuschließen. 

Mittlerweile bin ich übrigens rundum dazu übergegangen, verschiedenste Untersuchungen  anzustellen. Des weiteren habe ich mich inzwischen mit der „Parapsychologischen Beratungsstelle“ in Freiburg in Verbindung gesetzt, weil die „Geschichte“ derzeit ein Ausmaß annimmt, welches für mich als „Laien“ nicht mehr überschaubar ist, von etwaigen Gefahren ganz zu schweigen. Denn wie wir noch sehen werden, ist dies bei weitem noch immer nicht alles, was mir allein in den letzten 14 Tagen widerfahren ist.

Dennoch zuvor einige ergänzende neue Fakten zu allem bisher Erzählten. Wie bereits zitiert, veranlassten mich meine neuen Erkenntnisse bezüglich meines „Kindergartenunfalls“ in den letzten Tagen, mit der ganzen Familie in Verbindung zu treten. Da ich irgendwie begründen mußte, wo ich die Informationen her habe, war ich gleichfalls genötigt, die gesamte „Geschichte“ der ganzen Familie zu eröffnen. Dadurch wiederum erhielt ich von verschiedenen Angehörigen weitere Informationen, angefangen bei meiner Großmutter mütterlicherseits. Beginnend mit der eingangs erzählten Begebenheit mit meiner Mutter in Mecklenburg auf der Wiese kann sich sogar noch meine Großmutter erinnern. Neu für mich ist, nachdem sich meine Mutter wegen dem bärtigen Mann im Gebüsch erschrocken daheim einfand, ist meine Großmutter nochmals mit ihr zur Wiese zurückgekehrt, um den Mann zu suchen. Dennoch war dort niemand bzw. niemand mehr. Eine weitere Information meiner Großmutter betrifft die besagte Wohnung, in dessen Flur 1985 die erste Materialisation in meinem Beisein stattfand. Interessanterweise will meine Großmutter von meiner Mutter wissen, dass auch sie (meine Mutter) vor 1985 dem Flur gegenüber Merkwürdiges geäußert hat. Angeblich sprach auch sie von etwaigen Geheimtüren hinter der Flurnische (?). Außerdem ist noch zu erwähnen, dass meine Großmutter in der Nacht, bevor ich sie erstmals auf den „Kindergartenunfall“ ansprach, einen seltsamen Alptraum hatte, der offenbar mit dem Vorfall im Zusammenhang zu stehen scheint, insofern, daß sie von selbigen Personen im Traum mit einer Pistole bedroht wurde. Zufall?

Von meiner Mutter wiederum erhielt ich kürzlich betreffs meines damaligen Vaters eine weitere wichtige Information, seinen Vornamen: Dietrich. Warum mir dies all die Jahre zuvor nicht schon selbst wieder eingefallen ist, weiß ich nicht. Ich kann mich nun jedoch wiedererinnern, dass meine Mutter in besagter Nacht 1985 den Namen nannte. Heute gibt sie an, „Dietrich“ bedeutet Schlüsseldietrich, mit welchem bis heute die ungebetenen Besucher in ihre Wohnung kommen. Dazu kann ich nur sagen, daß 1985 (übrigens meine Mutter meint, es war 1986 oder 1987) der Name Dietrich gefallen ist und mir dieser Vorname in meinem Umfeld des jetzigen Lebens nicht bekannt ist. Betreffs des zitierten leuchtenden Objektes im Flur gibt sie heute an, dass sie nie nach unten schaute und so nicht erkannte, ob es auf Füßen stand oder schwebte. Dies nicht zu wissen, bereut sie heute etwas. Ferner konnte in Erfahrung gebracht werden, dass die besagte Vitrine seit cirka Anfang der Achtziger im Besitz meiner Mutter ist, soweit die ergänzenden Fakten.

Ich fasse also zusammen: Im 16. Jahrhundert haben meine Mutter und ich schon einmal gelebt. Mein damaliger Vater Dietrich starb damals an der (noch unbekannten) Krankheit „Amaurotische Idiotie“. Dennoch war er im Glauben, wir hätten ihn umgebracht. Sein Hass scheint deshalb so groß zu sein, daß seine Seele nicht ins Jenseits findet, bevor er sich an uns rächen konnte. Deshalb übrigens ist auch seine Stimme nicht auf dem Band mit den Parastimmen zu hören. Dietrich befindet sich offenbar in einer Zwischendimension zwischen Diesseits und dem Jenseits. Unsere bzw. meine Aufgabe muß es daher nun sein, Dietrich wissen zu lassen, woran er wirklich starb, damit seine Seele im Jenseits Ruhe findet und die ungebetenen Besuche bei meiner Mutter aufhören. Dies alles erkennend, führte die nächste Episode ein.

Mit eben zitierten Gedanken lag ich (neben meiner schon schlafenden Frau) im Bett. Doch fiel mir plötzlich eine große Ungereimtheit auf: Wenn so wirklich alles zutreffend und wahr ist, warum nimmt dann die Geschichte solch einen komplizierten Verlauf? Warum manifestieren sich jenseitige Stimmen auf einem Musikband, um mir mitzuteilen, woran mein Vater damals starb? Warum muß ich es Dietrich meinerseits übermitteln? Warum sagen es ihm die Jenseitigen nicht gleich selbst? Kann er die jenseitigen Stimmen nicht hören, weil er sich offenbar in einer Zwischendimension befindet? Von wem im Jenseits kommen dann überhaupt diese Kenntnisse? All diese Gedanken begannen also in meinem Kopf zu kreisen. Dann das Unglaubliche: Eine Stimme sprach zu mir „Weil Heinz J. die Reinkarnation meines Vaters war! Von Heinz J. sind die Hinweise auf dem Band! Heinz J. war nicht nur die Reinkarnation meines Vaters.“  

Hierzu gilt es einiges zu erklären, zunächst „Heinz J.“, Heinz J. war (in diesem Leben) mein Großvater mütterlicherseits. Er wurde Anfang 1921 in Berlin geboren und verstarb Anfang 1993 in Güstrow. Nun zur besagten „Stimme“. Es waren eindeutig nicht meine eigenen Gedanken. In dem Zusammenhang fällt mir mein Erlebnis im Jahr 1988 ein. Ich erzählte, als ich „Begreifen, was ist“ niederschrieb, hatte ich nur geschrieben, was ich hörte. Ähnlich wie 1988 schien es auch diesmal gewesen zu sein. Es stellt sich also die Frage, wenn es nicht meine Gedanken waren (was ich aufgrund des paradoxen Inhalts der „Botschaft“ völlig ausschließe), wer sprach dann zu mir? Zunächst meine ich, es stand kein „Wesen“ im Schlafzimmer, welches akustisch sprach, vielmehr vernahm ich die „Botschaft“ auf medialem Wege. Leider bin ich nicht mehr in der Lage, genau zu sagen, welchen genauen Wortlaut die Stimme benutzte. Sprach sie „meines Vaters“ oder „deines Vaters“? Dieses Detail wäre in diesem Zusammenhang wichtig, da man hieraus ableiten könnte, ob mein Unterbewusstsein sprach, welches allerdings die „Botschaft“ auch erst empfangen musste, oder war die „Stimme“ eine Jenseitige, die medial direkt zu mir Kontakt aufnahm? Ich weiß nur mit Sicherheit, dass ich keinen Grund hätte, mit meinem Verstand und Wissen solch eine Behauptung aufzustellen. Ich war folglich erschrocken und überrascht, denn die „Botschaft“ war eine direkte Antwort auf meine vorangegangenen Gedanken! Also galt es, die „Botschaft“ als solche zu erkennen, um diese dann auszuwerten. So weckte ich meine Frau, damit wir noch in dieser Nacht Erkenntnisse sammeln konnten. 

Einmal angenommen, Heinz J. wäre wirklich die Reinkarnation meines damaligen Vaters gewesen, so vermutete ich zunächst weitere Hinweise in der Zitatenliste von Michael Pettke. Anfangs recherchierten wir nach dem Wochentag, an dem Heinz J. starb. Unsere Erwartung, es wäre ein Donnerstag, bestätigte sich nicht. Hingegen noch nicht in Erfahrung bringen konnten wir den Wochentag seiner Geburt. Als nächstes suchten wir auf Landkarten den Sterbeort Güstrow, in der Vermutung, in dessen Nähe möglicherweise den Ort Bad Holingen o. Ä. zu finden. Obgleich ich mittlerweile zu Bad Holingen einiges zu berichten weiß, blieb auch diese Recherche in besagter Nacht ergebnislos. Also blieb es in dieser Nacht nur bei der „Botschaft“, welche ich zur Erinnerung noch in mein „paranormales Tagebuch“ schrieb. Dennoch warfen sich neue interessante Fragen auf. Das es sowas wie „Seelenwanderung“ gibt, ist ja bekannt. Doch wie verhält es sich in diesem speziellen Fall? Denn: Zu den Zeitpunkten der ersten geschilderten Materialsationsmomente, also 1949, 1985 und 1988 war ja Heinz J. noch am Leben. Zu den genannten Zeitpunkten hätte also die Seele Heinz J. verlassen müssen (Astralreise?), um sich in seinen „verstorbenen Vorgänger (also Dietrich aus dem 16. Jahrhundert) einzunisten“. Hier stelle ich die Frage, ob so etwas überhaupt möglich ist? Sprich, kann die eigene Seele in ein „sich selbst“ aus vorigen Zeiten wandern? Die Frage wird nun noch interessanter durch die Tatsache, daß Heinz J. mittlerweile ebenfalls tot ist. Im Falle einer weiteren Materialisation, wer würde erscheinen? Dietrich, mein damaliger Vater oder Heinz J., mein verstorbener Großvater?

Hier kennen wir bereits die Antwort, denn 1993 (Heinz J. starb etwa ein halbes Jahr zuvor) war es „der bärtige Mann“, also Dietrich. Wenn ich ferner die Möglichkeit ausschließe, daß sich eine Seele zweiteilen kann, was geschah zu Lebzeiten des Heinz J. während der Materialisationsmomente mit Heinz J.? Schlief er jeweils gerade? Hatte er es selbst gewusst? Hatte er es gar selbst „gesteuert“? Kam Heinz J. in seinem Leben irgendwann dahinter, dass er die Reinkarnation Dietrichs war? Nachhaltig spricht sogar tatsächlich einiges dafür! Es fällt zunächst auf, das Heinz J. in seinem Leben vielfache Begegnungen mit „Gespenstern“ hatte (einige dieser Begegnungen habe ich in anderen Quellen publiziert), mehr noch, seine Mutter wurde kurz vor ihrem Tode „offiziell“ wahnsinnig: So unterhielt sie sich mit einem „Fräulein“ hinter einem Spiegel...

Woher kamen diese „Gespensterbegegnungen“? Hat Heinz J. diese möglicherweise selbst ausgelöst, bei der Suche nach seinem eigenen Ursprung? Diese Suche gab es tatsächlich! Meine Mutter machte mich aufmerksam, es existiert ein Foto von Heinz J., auf dem er selbst hinten drauf schrieb: „Hier erkenne man deutlich meine jüdische Abstammung!“ Dieses Foto mit dem Zitat existiert wirklich, ich habe es unter meinen Familienfotos gefunden! Das Erstaunliche daran ist jedoch, weder seine Eltern noch seine Großeltern waren Juden! Wieweit recherchierte Heinz J. also in der Zeit zurück? Weiterhin heißt es „von Heinz J. sind die Hinweise auf dem Band“, ich habe jedoch auch seine Stimme auf dem Band nicht herausgehört, warum nicht? Wenn Heinz J. wirklich die selbe Seele „intus“ hat wie zuvor Dietrich, wird dies verständlich. Dietrich und Heinz J. wären demnach ein und die selbe „Person“. Wenn Dietrich noch nicht im Jenseits ist, kann es folglich Heinz J. auch nicht sein. Deshalb höre ich auch seine Stimme nicht.

Nun verlautete es in der Botschaft noch „Heinz J. ist nicht nur die Reinkarnation meines (bzw. deines) Vaters.“ Hier hieß es wörtlich „ist nicht“, obgleich es heißen müsste „war nicht“. Diese Tatsache könnte ein Indiz für die Richtigkeit der Behauptung sein, wenn die Seele noch nicht im Jenseits ist, ist sie noch „hier“. Übrigens ist seit Jahren meine Mutter felsenfest davon überzeugt, daß Heinz J. gar nicht tot ist, obgleich sie wie ich eine Kopie der Sterbeurkunde besitzt. Auch wenn sie vorgibt, im Sarg könne jemand anderes liegen, ist dies mal wieder ein interessanter Zufall.

Dennoch beinhaltet das letzte Zitat eine ungeheuerliche Aussage: Wenn Heinz J. nicht nur die Reinkarnation war, was war er dann denn noch? Mein (diesiger) Vater? Es gibt keine konkreten Anhaltspunkte, welche die Behauptung stützen könnten. Auch Recherchen in meiner Familie brachten keine Erkenntnisse in diese Richtung. Es existieren keine Anhaltspunkte dafür, daß mein Vater nicht mein Vater ist. Daher muß ich diese Behauptung verwerfen. Zumal, es wäre unmöglich, dies nachzuprüfen ohne Gen- Tests meiner Eltern. Was aber könnte dann damit gemeint sein, eben daß er (Heinz J.) mein Vater ist, in dem Sinne, daß er die selbe Seele ist wie mein voriger Vater Dietrich? Darauf verweist möglicherweise die jüdische Abstammung. Bei meinen Recherchen nach „Bad Holingen“ sollte ich wiederholt mit meiner Nase darauf gestossen werden. Wie ich übrigens von meiner Mutter erfuhr, bin ich nicht der erste in der Familie, der in dieser Richtung Nachforschungen anstellt. Bereits zur Nazizeit gab es einen Verwandten (Onkel o. Ä.), der sich bemühte, hinter die selben Fragen zu kommen wie ich heute. Dieser Verwandte ist dann irgendwann (im Krieg?) ums Leben gekommen. Mehr Angaben kann meine Mutter leider nicht machen. Dennoch finde ich bereits diese Informationen äußerst seltsam.

Neben dem bisher Erzählten ergaben sich in den letzten Tagen eine Reihe von Nebengeschichten. Eine davon ist die Recherche nach „Bad Holingen“. Zunächst lag natürlich nichts näher, als diesen Ort, den keiner von uns kennt, auf Atlanten und Landkarten zu suchen. So fanden sich innerhalb Deutschlands etwa ein Dutzend Ortschaften mit ähnlichlautenden Namen wie Bad Hönningen, Holleben, Hollige oder Holungen. „Bad Holingen“ oder „Bad Holdingen“, so wie bei Michael Pettkes Zitaten genannt, war nicht darunter. Nun fällt es schwer, unter diesen vielen Orten den „richtigen“ zu erkennen, zumal es sein kann, daß der Ort zwar früher mal so hieß, aber irgendwann umbenannt wurde. Es ist ja noch nicht einmal klar zu sagen, was es mit diesem Ort auf sich hat. Es könnte sein, daß ich dort weitere Hinweise betreffs meiner Geschichte erhalte. Es könnte aber auch sein, daß sich dort unser Leben im 16. Jahrhundert zugetragen hat. Weiterhin denkbar wäre, daß „Holingen“ im Ausland zu suchen ist, dass „Bad“ lässt wiederum auf einen Kurort schließen. Entsprechende Recherchen bei der Krankenkasse AOK und dem Fremdenverkehrsamt brachten mich tatsächlich in dieser Hinsicht weiter, doch dazu nachher mehr.

Meine Frau sollte es sein, welche mich in diesem Wirrwarr ein ganzes Stück weiter brachte. Obgleich ich mich nicht erinnere, sie auch im 16. Jahrhundert gekannt zu haben, war sie ihrerseits in der Lage, sich in die Zeit hineinzuversetzen. Meine Frau hat manchmal Visions- träume, so träumte sie z. B. das Atomunglück von Tschernobyl voraus. Offenbar war es die Situation, daß meine Frau derzeit massiv mit meiner Geschichte konfrontiert wird, sie oftmals Zeugin der geschilderten paranormalen Vorfälle wurde, was sie dann veranlasste, „Indizien zu träumen“. Dies geschah dann an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Hier die Schilderung ihres ersten Traumes: Am Computer konstruierte sie die Umrisse einer rötlichen Burg mit einem Architekturprogramm (in Wirklichkeit besitzen wir solch ein Programm nicht). Im nächsten Moment saß sie nicht mehr am Computer, sondern befand sich auf einem Rundgang durch die Burg selbst. Die Burg hatte fünf Türme (4 außen, einen in der Mitte), zwei Innenhöfe und war auf einer Erhebung errichtet. Interessant ist, während des Rundganges deutete alles darauf hin, dass sie sich in einer weit zurückliegenden Zeit befunden haben muß. Autos in der Nähe der Burg gab es ebenso wenig wie elektrische Geräte oder Quarzarmbanduhren. Ferner nahm sie wahr, sowohl der Ort als auch die dazugehörige Burg befand sich irgendwo im heutigen  Süddeutschland. Da meine Frau die Burg genau beschreiben konnte, bat ich sie, eine Skizze davon anzufertigen. Neben dem Verdacht, die Burg könnte etwas mit meinem Leben im 16. Jahrhundert zu tun haben, kam ich zugleich einem weiteren Geheimnis auf die Spur: Seit meiner Kindheit (dieses Lebens) habe ich ein ungewöhnliches Interesse oder Hobby, alte Hinterhöfe, deren es gerade in Berlin noch viele gibt. Seit jeher übten Hinterhöfe eine merkwürdige Faszination in mir aus, ich fühlte mich „magisch“ dorthin gezogen. Dabei kam ich mir oft wie ein zweiter Heinrich Zille (Millieukünstler) vor. Doch woher dieses ungewöhnliche Interesse kam, war mir nie richtig klar, jedenfalls nicht so klar wie jetzt. Auf meinen hunderten Fotografien (meistens sind es mehrere hintereinanderfolgende Durchfahrten von Hof zu Hof) wird eines ganz deutlich: Die Ähnlichkeit zu alten Burggemäuern! Auch Burgen weisen oft mehrere Innenhöfe auf, mit Torbögen verbunden. In dem Zusammenhang fiel mir gar wieder ein, als Kleinkind faszinierten mich Türen! Idealerweise gelangte man durch unzählige Türen von Zimmer zu Zimmer, Türen und Zimmer ohne Ende. Statt Türen und Zimmer sind mein „Hobby“ nunmehr Hinterhöfe. Es wird ganz klar deutlich: Ob es verschachtelte Zimmer oder ob es Höfe mit Torbögen sind, sie haben alle einen gemeinsamen Vetter: Die Burg! Also deutet alles darauf hin, daß in meinem damaligen Leben eine Burg eine große Rolle gespielt haben muss. Deshalb fühle ich mich in meinem jetzigen Leben zu Hinterhöfen so hingezogen, ich fühle mich dort zuhause

In der nächsten Nacht folgte der zweite Visionstraum meiner Frau: Diesmal besuchte sie mit einer älteren Dame einen kleinen Jungen im Krankenhaus. Es stellte sich schnell heraus, dass ich der kleine Junge war! Die Identität der älteren Dame ist hingegen bis jetzt noch nicht geklärt. Meine Frau sah mich in einem hellen Pulli und einer hochwertigen blauen Stoffhose. Die Stoffhose war der Beweis, daß meine Frau erneut einen Visionstraum hatte: Da ich aus einer verhältnismäßig einfachen Familie stamme, konnte ich mir zunächst nicht vorstellen, solch eine Hose besessen zu haben, wozu auch? Zum Spielen? Meine Großmutter jedoch war es, die sich daran erinnern kann, ich habe mit vier Jahren tatsächlich solch eine Hose und hellen Pulli besessen und diese nach dem Kindergartenvorfall sogar im Krankenhaus getragen! Das Krankenhaus selbst war ein weiteres Indiz, daß der Traum ein Wahrtraum war: Äußerlich war das Krankenhaus absolut mit ihrem Traum identisch! Hingegen im Inneren gibt es erhebliche Abweichungen. Doch auch dies lässt sich erklären. Nach mittlerweile 30 Jahren ist das Krankenhaus zweimal umgezogen. In dem Gebäude, indem ich mich 1969 befand, ist jetzt ein Genforschungsinstitut (Zufall, Vaterfrage?) drin. In dem Gebäude, dessen Außenansicht meine Frau träumte, ist nun zwar das Krankenhaus, seit kurzem jedoch nicht mehr die Kinderabteilung, diese ist erneut in ein weiteres (größeres) Krankenhaus umgezogen. Dies ergaben unsere Recherchen vor Ort. Daher ist es also denkbar, daß meine Frau von den Innenräumen des jetztigen Gen-Institutes oder des größeren Krankenhauses träumte. Ersteres lässt sich leider nicht ohne weiteres nachprüfen, da das Gen-Institut kein öffentliches Gebäude mehr ist. Dennoch halte ich insgesamt fest, beide Visionsträume meiner Frau sind sehr ernst zu nehmen, da diese möglicherweise weitere Hinweise in meiner Sache beinhalten. Natürlich war in den folgenden Tagen morgens eine der ersten Fragen an meine Frau, was sie geträumt habe. Weitere Visionsträume waren jedoch nicht darunter.                                                                                                            

F. K., Frühjahr 1999



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