Spuk


Spuk am „Lichtenkopf“

von Sascha Trautmann

 

Lichtenkopf

Der sogenannte „Lichtenkopf“ ist eine 420 Meter über dem Meeresspiegel hohe Erhebung (kleiner Berg), im Saarland, konkret im Dorf Hangard bei Neunkirchen.

Abbildung: Spukort Lichtenkopf,Archiv Sascha Trautmann

Hangard wurde 1692 durch einen Erlass des damaligen Intendanten für die Saarprovinz zum ersten Mal besiedelt. Der Name des Berges „Lichtenkopf“ wurde 1564 eingeführt, seine Herkunft ist aber unbekannt. Soweit dazu.

Abbildung: Blick vom Lichtenkopf, Archiv Sascha Trautmann

In den 90er Jahren machte ich jeden Tag eine Radtour von 15 Kilometern durch die umliegenden Wälder. Es gibt sehr viele steile Strecken auf dem Hinweg. Am Lichtenkopf legte ich eine Pause ein, bevor ich den Rückweg antrat.

Erste Konfrontation

An einem Sommertag, es war etwa 30 Grad heiß, befand ich mich am späten Nachmittag auch auf besagtem Platz. Plötzlich wurde es still, die Vögel hörten auf zu singen und die Grillen zirpten nicht mehr. Es wurde schlagartig eiskalt, sodass mein Atem sogar Dampf erzeugte. Ein kalter Wind kam auf und ich hörte das Weinen eines kleinen Kindes, dann das einer jungen Frau. Die Luft war geladen, ein Ozongeruch breitete sich aus. Ich lief durch den Wald, um festzustellen, ob etwas diesen Leuten geschehen wäre und sie Hilfe brauchten. Doch ich sah Niemanden, obwohl, das Weinen jetzt ganz laut zu hören war. Dann spürte ich, dass etwas Bedrohliches sich auf mich zu bewegte, wie eine eiskalte Wand aus Luft, die mir den Atem nahm. Mich ergriff die Panik und ich stürzte durch den Wald zurück zu meinem Rad und fuhr davon, als ob irgendein Tier hinter mit her wäre.

Ich mied in den folgenden Tagen diesen unheimlichen Ort, wem sollte ich davon erzählen, man würde mich doch für total „übergeschnappt“ halten. Ich hatte zugleich aber eine große Neugier und wollte wissen, ob es auch andere Menschen hören konnten und was dort geschah.

Weitere Exkursion zum Lichtenkopf

Ich beschloss einige Tage später, mit meinem Neffen einen Spaziergang dorthin zu machen, wobei ich ihm aber von allem nichts erzählte. Wir kamen an einen Weg, der steil bergauf zum Lichtenkopf führte. Uns kamen eine Frau und ein Mann mit Hund entgegen, die sich etwa 150 Meter vor uns in Luft auflösten. Wir waren beide sehr erschrocken und blieben erst mal stehen. Mein Neffe fragte mich, ob ich Dasselbe wie er gesehen hätte, ich bejahte. Wir liefen nach einer Weile weiter zum Berg und spürten beide die oben beschriebene Kälte, schon einige Meter vor besagtem Ort. Als wir oben ankamen, war wieder das Weinen zu hören und das bedrohliche Gefühl stellte sich wieder ein. Ich hatte einen Notizblock dabei und bat meinen Neffen, aufzuschreiben, was er hörte, damit ich ausschließen konnte, dass ich ihm die Art des Geräuschs bloß einsuggeriere. Das Ergebnis war, dass ich und er das Weinen, fast schon Schreien eines Kleinkinds wahrnahmen. Die Angst und Panik in uns war groß und wir suchten das Weite.

Recherchen im Stadtarchiv und offene Fragen

Ich hatte schon von Spukphänomenen gelesen und davon gehört, das ein ortsgebundener Spuk in vielen Fällen durch Ereignisse wie vor allem Morde an diesen Plätzen geschah, den Seelen der Opfer keine Ruhe finden ließ. Wollten diese Seelen etwa auf sich aufmerksam machen? Ich recherchierte in Heimatkundebüchern und im Stadtarchiv, suchte nach möglichen Gründen für die Erscheinung und wurde in einem Buch über das Dorf fündig. Hier der Bericht:

Zwei Männer und eine Frau aus Neunkirchen wollten die letzten Kriegstage in Ruhe und Sicherheit in ihrem Wochenendhaus am Hang des Lichtenkopfs verbringen, nachdem am 20. März 1945 das Dorf von Einheiten der 3. US-Armee besetzt wurde. Am 8. Mai 1945 endete der Krieg mit der Kapitulation der Nazis. An diesem Tag liefen drei amerikanische Soldaten in betrunkenem Zustand durch dieses Gebiet und erschossen trotz Waffenstillstand drei Zivilisten. Bei den Opfern handelte es sich um die zwei Männer und eine Frau.

Doch warum war auch das Weinen eines Kindes zu hören? Wurde es in dem Bericht nicht erwähnt, war aber doch eines dabei?

Abbildung: Auszug aus Buch

„Eine Perle im Tal der Oster“, Neunkircher Druckerei & Verlag

Weitere Recherchen und Vorgänge vor Ort

Bei einem Morgenspaziergang entdeckte ich mit meinem Neffen am Lichtenkopf einen offenbar fluchtartig verlassenen Zeltplatz, wo Jugendliche wahrscheinlich gecampt hatten. Das Zelt stand teils schief, Wertgegenstände und Campingausrüstung, sogar Kleiderteile haben sie zurückgelassen. Das bereitete Abendessen lag auf der Erde, neben halbvollen Flaschen mitgeführter Getränke. Die „wilden Camper“ ließen sich nicht mehr blicken und konnten auch nicht ermittelt werden. Ihre Sachen wurden vom Forstverband entfernt, es lässt sich also nicht mehr ermitteln, was in dieser Nacht geschah.

Ich suchte weiterhin diesen Ort auf, mit meinem Neffen, Bruder und damaligen Arbeitskollegen, die alle diese akustischen Erscheinungen vernahmen und es sich nicht erklären konnten. Auch ein Skeptiker gestand sich ein, das hier etwas „Übersinnliches“ vor sich gehen musste. Des weiteren muss ich anführen, dass mitgeführte elektronische Geräte wie Radios, LCD-Uhren und Funkgeräte an besagtem Ort sehr störanfällig waren oder gar ganz ausfielen. Bei Radio und Funk stellte sich oftmals ein Rauschen ein, das von pulsierenden Geräuschen begleitet war. Ein damals befreundeter Ingenieur stellte mir ein Magnetfeldmessgerät zur Verfügung, das auch zum Einsatz kam. Das elektromagnetische Feld am Spukort war aber derart hoch gewesen, dass das Gerät durchbrannte.

Weiterer Verlauf am Spukort

Offensichtlich wurde die Intensität des Spuks später zunehmend weniger.

1997 war ein an Parapsychologie interessierter Mann aus Stuttgart hier zu Gast, mit dem ich eine Langzeitbeobachtung über Nacht dort durchführte. Als wir in die Nähe des Ortes kamen, kam wieder der bekannte kalte Wind kurzzeitig auf. Bei einem mitgeführten Kompass drehte sich die Nadel wie verrückt im Uhrzeigersinn, aber alles dauerte nur kurz. Den Rest der Nacht verbrachten wir in Ruhe, bis auf die herkömmlichen Geräusche im Wald. Außer einer Krötenwanderung und einem auftauchenden Heer von Leuchtkäfern geschah nichts mehr.

Im Jahre 2003 machte ich mit meinem Neffen zusammen einige Fotos von dem Ort. Besagter Spuk stellte sich auch wieder für ein paar Minuten ein, dann war wieder Ruhe. Ein mitgeführtes Handy und ein Funkgerät versagten während des Spuks ihren Dienst. In diesem Jahr wollte ich für die IGP dort noch mal nachsehen, ob das Phänomen noch existierte.

Einige Tage vor dem Aufsuchen des Ortes hatte ich einen seltsamen Traum, den ich hier noch beschreiben möchte:

Ich befand mich im Traum am beschriebenen Spukort. Um mich herum standen überall brennende Kerzen auf dem Boden, die ein warmes Licht abgaben. Es stellte sich ein Gefühl von tiefen Frieden und großer Freude ein. Das Negative war verschwunden.

Spuk zum Großteil aufgelöst?

Am 12. September 2006 unternahm ich mit der IGP-Mitarbeiterin Annika Ruf aus Hamburg einen Ausflug dorthin. In der Ausrüstung befand sich ein Fotoapparat, ein Kassettenrekorder und ein Handy. Dort angekommen warteten wir auf eventuelle Erscheinungen.

Abbildung: Annika Ruf 2006 vor Ort, Foto: Sascha Trautmann

Es dauerte nicht lange, als sich bei uns beiden ein wohltuendes Gefühl inneren Friedens und Ruhe einstellte. Es war nichts Bedrohliches oder gar Böses zu spüren. Es lag sogar intuitiv gesehen so etwas wie Dankbarkeit in der Luft. Frau Ruf machte ein paar Fotos von dem Ort und führte mehrere kurze Tonbandeinspielungen durch, in denen sie eventuell noch vorhandene Entitäten aufforderte, mit uns zu kommunizieren. Beim Abhören des Bandes war stellenweise ein wie bereits früher gehörtes Pulsieren zu hören.

In der letzten Sequenz ist ein Geräusch zu hören, das wir nicht identifizieren konnten.

Abbildung: Lichtenkopf 2006, Foto: Annika Ruf

Sowohl alle Fotos, als auch die Tonbandeinspielung stellten wir Herrn Klare zur Verfügung, der eventuell durch den PC die Bilder besser untersuchen kann und auch geübter ist, im Umgang mit Tonbandstimmen.

Dieses mal traten keine Störungen bei mitgeführten Geräten ein. Einige Minuten, bevor wir den Ort verließen, hörten wir beide noch ein intensives und tiefes Raunen aus besagtem Gebiet, leider war der Rekorder nicht mehr aktiviert.

Haben die Seelen nun ihre Ruhe und den Weg ins Licht gefunden? Das Raunen, so unser aller Meinung könnte noch eine „Restseele“ sein. Da aber keine negativen Empfindungen mehr zu spüren waren, gehen wir davon aus, dass auch bald diese Person erlöst sein wird und die Opfer des nunmehr vor 63 Jahren geschehenen furchtbaren Ereignisses endlich ihre Ruhe und Frieden gefunden haben.   

Anmerkungen von Frank Klare

Das mir vorliegende umfangreiche Fotomaterial von Lichtenkopf habe ich mit dem Computer ausführlich untersucht, habe jedoch keine paranormalen Extras oder sonstige Besonderheiten in ihnen finden können, was selbstredend natürlich nicht bedeutet, das die dargelegten Erlebnisse nicht authentisch so erlebt worden sind. Selten hatte ich innerhalb meiner IGP-Tätigkeit solch gute Recherchen miterlebt. So belegen wohl die Unterlagen und Bücher den Grund der Vorkommnisse. Interessant ist die Feststellung, erst wurden die Phänomene erlebt und erst hinterher ergaben Recherchen die entscheidenden Spuren hinsichtlich der Ursachen.

Bezüglich des erwähnten Kindes kann angenommen werden, das es zu den sonstigen Opfern zählen könnte, so ist im erwähnten Buch von insgesamt 7 zivilen Opfern in dieser Zeit und Umgebung die Rede.

Auch die Auswertung der 2006 vor Ort gemachten Kassetteneinspielung ergab keine Besonderheiten in Form von Trans-Stimmen oder „jenseitigen Mitteilungen“, die sich hier geäußert hätten, was im Grunde jedoch den Eindruck vor Ort von Frau Ruf und Herrn Trautmann nur bestätigt. Die zitierten Geräusche sind zwar hörbar, jedoch, ohne das ich die genaue Quelle angeben könnte, würde ich eine „paranormale“ Herkunft in Frage stellen.

Das gehörte Geräusch des Raunens würde ich ggf. auch auf ein Tier zurückführen wollen. Wäre tatsächlich eine „Restseele“ noch am Ort, so hätten die Beiden sie vermutlich auch sonst wahr genommen.

Fazit: “Happy End”.

 

 

 

 

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