Spuk


Dieses Haus lebt!
Ein Erfahrungsbericht mit aufwerfenden Fragen

 

von Kerstin Göbel

Ich habe ja gar nicht ernsthaft damit gerechnet, daß dieses Haus, das ich vor gut 8 Jahren gekauft habe, geistlos wäre. Und ich hatte recht. Es spukt immer mal so vor sich hin, mal auf die eine, mal auf die andere Weise.

Das Haus scheint auf besondere Weise auf Renovierungsmaßnahmen zu reagieren. Bei den großen Aktionen vor und nach dem Einzug ist mir das noch nicht so aufgefallen, weil da sowieso das Chaos war und viele Leute herumliefen. Allerdings habe ich seit der Zeit einen Besen da stehen, den ich nicht gekauft habe.

Das erste Mal, daß ich mich doch gewundert habe, war, als die Fassade teilweise mit Holz verkleidet wurde. Den Auftrag dafür habe ich dem benachbarten Handwerksmeister erteilt. Zur Erklärung: Seine Frau heißt Helga und einer der Mitarbeiter Martin.

Helga, selbst Malergeselle, leitete die Arbeiten an diesem Haus. Eines Abends, als ich von der Arbeit kam, erzählte sie, daß Martin seinen Hammer bei der Arbeit verloren hatte und nicht wiederfinden konnte. Der Hammer war wohl ein Erinnerungsstück, an dem er besonders hing. Deshalb suchte er überall, aber vergeblich. Helga bat mich, auch den Hammer zu suchen. Ich habe ihn aber zunächst nicht gefunden. Um weiterarbeiten zu können, hatte Martin meinen Hammer benutzt. Dummerweise hat er den dann in Gedanken eingesteckt und mitgenommen, als sie mit der Baustelle fertig waren. So hat Helga mir einen neuen Hammer gebracht zum Ersatz.

Die Fassade war im zeitigen Frühjahr gemacht worden. Als ich im Herbst im Geräteschuppen den Apfelpflücker holen wollte, der dort zwischen den Dachsparren steckt, fand ich gleich über der Tür in den Dachlatten einen mir unbekannten Hammer. Den habe ich zu Helga gebracht, die ihn gleich erkannte: Martins geliebtes Werkzeug. Wie der in das Dach des Schuppens geraten war, konnte auch Martin nicht erklären. Der hatte ja gar keinen Grund gehabt, überhaupt den Schuppen zu betreten. Und ich war ein halbes Jahr täglich x-mal da hergegangen, hatte auch etliche Mal hochgeguckt und den Hammer dort nicht gesehen.

Als ich einmal gerade in der Badewanne saß und eine gruselige Stelle im Buch las, lösten sich hinter mir einige Kacheln von der Wand und standen, noch an der Fugenmasse hängend, wie ein Satteldach in den Raum hinein ab. Es war, als hätten die auf einmal nicht mehr genug Platz an der Wand. Ich habe diese Kacheln neu verlegt und die neuen Fugen mußte ich tatsächlich um einiges schmaler machen als die alten, um diese Fliesen wieder an ihren alten Platz zu bringen.

Vor einigen Jahren hatte ich das Hobbyzimmer neu tapeziert. Kurze Zeit später gab es einen lauten Polterlärm, der bis auf die Straße zu hören war, und in der frischen Tapete waren Macken, sogar hinter dem Schrank. Es sah aus, als ob ein schwerer Gegenstand von schräg oben an der Wand heruntergerutscht wäre. Aber da war nichts zu sehen. Es war keiner im Haus gewesen, es lag nichts am Boden und hinter dem Schrank hätte ja auch gar nichts den Platz gehabt. Ich mußte die herunterhängenden Tapetenstreifen neu ankleben, danach war auch alles an der Wand geblieben.

Vor gut viereinhalb Jahren waren neue Fenster fällig. Als die Schreiner damit fertig und wieder fortgefahren waren, fand ich im Hof einen Schraubenzieher, der mir nicht gehörte, aber schon Gebrauchsspuren zeigte. Der lag in der Fahrspur des Autos im Schnee, mußte also erst ganz kurz da liegen, als ich ihn gefunden hatte. Andernfalls hätte ich ihn aus dem Reifen ziehen müssen. Als ich zwei Tage später dem Schreinermeister das Geld brachte, nahm ich den Schraubenzieher mit. Der wies ihn sofort zurück, denn diese Marke wird in seinem Betrieb nicht benutzt. Den Schraubenzieher habe ich noch.

Dann habe ich vor gut zwei Jahren den Hof neu machen lassen. Den Auftrag bekam eine im Dorf ansässige Tiefbaufirma. Um Geld zu sparen habe ich die Pflastersteine mit Hilfe von Angehörigen selbst gelegt. Ein Arbeiter der Firma, Ali heißt er, war als Fachmann mit dabei. Nach den Pflasterarbeiten fand ich in der Garage in einer Tüte ein paar alte Arbeitshandschuhe, die ich nie gesehen hatte. Die gehörten weder meinem Schwager noch dem Ali oder einem seiner Kollegen. Die Handschuhe habe ich zwischenzeitlich einige Male benutzt, aber sie sind mir viel zu groß.

Es ist aber nicht immer nur was aufgetaucht. Als ich die Küche das letzte Mal gestrichen habe, habe ich oben an der Kante von der Wand zur Decke eine bunte Borte angeklebt. Dazu stand ich auf der Leiter, denn die Küche ist einer der wenigen Räume mit hoher Decke. Die Rolle mit der Borte und die Schere lagen auf dem Schrank griffbereit. Ich schnitt immer ein Stück ab, klebte es fest, schob die Leiter weiter und dann kam das nächste Stück. Auf einmal war die Schere weg. Eben hatte ich sie noch gehabt, und nun weg. Dabei war ich doch nicht einmal von der Leiter heruntergestiegen zwischendurch, sondern stückelte um den Balken herum. Die Schere habe ich trotz intensiver Suche nie wiedergefunden. Der Schrank hatte zu dem Zeitpunkt abgerückt gestanden, damit ich an die Wand dahinter konnte. Natürlich wurde der Schrank auch wieder zurück geschoben, aber auch darunter hatte die Schere nicht gelegen. Die ist verschwunden geblieben.

In diesem Jahr habe ich schon die Stube und das Bad neu gestrichen. Seit den Arbeiten in der Stube vermisse ich einen Schraubenzieher (nicht den im Hof gefundenen). Im Badezimmer kam mir der lange Pinsel abhanden.

Nun habe ich das Schlafzimmer neu renoviert, Decke gestrichen, Türrahmen und Fußleisten gestrichen, eine neue Fußleiste angebracht, tapeziert. Und bis jetzt habe ich weder etwas von dem Benutzten vermißt noch etwas gefunden, was mir nicht gehört. Das wundert mich jetzt mehr als die Phänomene der Vergangenheit.

Allerdings suche ich noch vergeblich nach zwei Farbrollen, die ich in der Werkstatt liegen hatte und noch zu benutzen gedenke, um ein Schablonen-Muster auf die Tapete aufzutragen. Nur, dazu müßte ich sie erst einmal finden. Ich weiß genau, daß sie vor kurzem noch da waren. Bis ins Schlafzimmer sind sie noch nicht gelangt gewesen, die müssen sich schon in der Werkstatt in Luft aufgelöst haben.

Die Gewinne und Verluste waren vom finanziellen Wert nicht sehr hoch, denn leider war es mir nicht vergönnt, einen Sack voll Geld zu finden. Dafür ist mir glücklicherweise auch nicht mehr weggekommen als ich verkraften konnte.

Die Verluste sind zu zahlreich, als daß ich sie mit Schusseligkeit erklären könnte. Außerdem müßte das dann doch irgendwann mal wieder auftauchen. Und das Erscheinen von Schraubenzieher und Handschuhen kann man so auch nicht erklären, ebensowenig den Weg von Martins Hammer, die Macken in der neuen Tapete und die abgelösten Kacheln. Glücklicherweise bin ich nicht ganz dämlich und kann einiges selbst reparieren oder mein Kumpel hilft auch schon mal.

So ein altes Haus lebt und erzählt seine eigene Geschichte. Das ist die einzige Erklärung, die ich dafür habe. Vor über hundert Jahren war vermutlich einmal eine Schreinerei hier untergebracht, also auch ein Handwerk. Zu Anfang hielt sich auch noch der Geist eines Schreiners hier auf, der bei einem Streit von einem Kollegen mit dem Beitel verletzt worden war. Aber den haben wir zwischenzeitlich ins Licht geschickt. Der hat sich als Geist auch weniger für Werkzeug interessiert, als daß er sich darüber mokiert hat, daß ich als Teil meiner Mittelalter-Ausrüstung Dolch und Schwert habe, also auch Waffen, mit denen man einen Menschen erstechen kann. Aber wie gesagt, der ist inzwischen gegangen.

Kann ein Geist solches Verschwinden und Erscheinen auslösen? Dann müßte er einen Grund dafür haben, warum er das tut. Und immer bei Bauarbeiten und auch der Gegenstand hat immer mit den Arbeiten direkt zu tun.

Wenn ich, was selten vorkommt, sonst mal was suche, habe ich es auch selber verlegt oder die Katzen haben einen kleinen Gegenstand verschleppt.

Hat jemand von Ihnen eine Idee dazu?


Anmerkung Redaktion: Uns interessiert Ihre Ansicht zu dieser Sache, bitte schreiben Sie Ihre Kommentare an igp@tranwelten.de und Ihre Mails leiten wir dann Frau Göbel weiter.

Dieses Thema können Sie zudem auch in unserem IGP-Diskussionsforum mitdiskutieren.

 

 

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