Spiritualität


Darstellung meines Lebensweges im Traum

von Ernst Knirschnig

Es war ein strahlend schöner Sommertag. Ringsum kein Wölkchen, das den blauen Himmel verunzieren könnte. Als mir klar wurde, dass ich nun eine Reise antreten mußte. Ich kam aus einem Haus, welches ich nicht näher beschreiben kann und hatte auch ein paar Habseligkeiten für die Reise mitgenommen. Im Hof stand schon ein Wagen bereit. Ein Wagen, der mehr ein Karren war, etwa anderthalb Meter lang und etwa einen halben Meter breit. Sah aus wie eine große flache Kiste mit vier Rädern, nach vorne offen, so dass ich darauf Platz nehmen konnte. Die Habseligkeiten dürften einige Dinge gewesen sein, von denen man sich im Laufe des Lebens nicht trennen konnte und unter Anderen eine graue Decke, welche vor Kälte schützen sollte, eine kleine Plane als Regenschutz und etwas Brot.

Ich nahm auf dem Karren Platz und sogleich setzte er sich in Bewegung. Ohne irgend einen erkennbaren Antrieb und ohne Lenkung. Es schien so, als wurde der Karren mit einer eigenartigen Kraft angetrieben und auch gesteuert.

Zuerst fuhr ich auf einer schönen asphaltierten Straße, die links und rechts mit schönen blühenden Wiesen säumte und bog dann in einen Feldweg zwischen Wiesen und bebauten Feldern. Zur rechten Seite hin erstreckte sich eine steile, mit Gras bewachsene Böschung.

Ober der Böschung tummelten sich Gestalten mit verzerrten Gesichtern, welche versuchten meine Weiterfahrt zu verhindern. Sie plagten sich sehr und rollten schwere Baumstämme die Böschung hinunter. Gerade konnte ich noch mit meinem Karren vorbeifahren, als hinter mir die Baumstämme schon den Weg blockierten. Nun gab es kein Zurück mehr.

Meine Reise auf dem Karren ging neben einem Wald weiter, der exakt gerade von einer Wiese abgegrenzt war. Nach einer Weile führte der Weg in diesen Wald. Bald bemerkte ich, dass ein Weiterfahren nicht mehr möglich war, denn auf dem Weg lagen kleine Bäume und Gestrüpp. All diese Hindernisse räumte ich aus dem Wege und konnte dann die Fahrt fortsetzen. Es dauerte nicht mehr lange, da lagen dicke gefällte Bäume über dem Weg. Diese zur Seite zu räumen war nicht möglich, denn sie waren viel zu schwer. Nun musste ich umkehren und einen anderen Weg durch den Wald nehmen. Ich erkannte nun, dass dieser Weg kein richtiger Weg mehr war, sondern ein holpriger Fußsteig. 

Wieder stellte ich fest, dass man mich auf meiner Fahrt durch den Wald abermals behindern wollte. Hohe Bäume wurden abgesägt und drohten auf den vor mir liegenden Weg zu stürzen. Nun fuhr ich mit einem unangenehmen Gefühl weiter und schlüpfte gerade noch mit meinem Karren durch, als die Baumriesen hinter mir zu Boden krachten und mir den Rückweg versperrten.

Nach einer Weile unwegsamen Geländes hatte ich auch bald den Wald hinter mich gebracht. Auf einem steinigen Weg ging meine Fahrt mühevoll weiter. Zur linken Seite erhob sich allmählich eine Gesteinswand. Die Steine hatten eine rötlich braune Färbung. Zu meiner rechten Seite war ein steiler, tiefer Abgrund. Es sah aus, als dürfte der Weg mühsam aus dem Stein heraus gehauen worden sein.

Vor mir auf einer Anhöhe sah ich, dass viele große Steine aufgestaut worden waren und drohten jeden Augenblick über den Steilhang herunterzustürzen. Es schien mir so, als könnte sich meine Weiterfahrt erneut verzögern. Denn diese Gestalten mit den verzerrten Gesichtern traten erneut wieder in Erscheinung. Ich hielt wohl einen Augenblick inne, aber ich musste ja doch die Fahrt fortsetzen. Diese Gestalten machten sich an den aufgestauten Steinen zu schaffen und ließen die Geröllmassen los. Gerade konnte ich noch passieren als hinter mir die Gesteinslawine auf den Weg und über den Abgrund in die Tiefe donnerte. Nun hatte ich es also wieder geschafft.

Auf holprigen Wegen ging die Fahrt weiter. Nach einiger Zeit wurde dann auch der Weg besser und vor mir eröffnete sich ein grünes Tal, mit saftigen Wiesen, Sträuchern und noch jungen Bäumen. In der Ferne sah ich einen Viadukt, der dieses Tal überbrückte. Ein Übergang, der komplett aus Holz gebaut war, wie man ihn eben aus der Pionierzeit in Amerika kannte.

Als ich näher kam sah ich, dass ich darunter durchfahren musste. Oben auf dem Viadukt sind wieder die zuvor beschriebenen Gestalten am Werk um mich bei der Durchfahrt zu behindern oder gar aufzuhalten. Von allen Seiten fielen Bretter und Pfosten herunter und ich konnte mich gerade noch ducken als ich das Hindernis überquerte. Bei all diesen Behinderungsversuchen verspürte ich keinerlei Angst, ich hatte nur den einen Antrieb, weiterzufahren. Weiterfahren zu einem mir unbekannten Ziel.

Wiesen und Felder grenzten an den Weg, als ich vor mir auf der linken Seite einen dichten dunklen Wald erblickte. Es war schon später Nachmittag, die Schatten der Bäume wurden immer länger und ein kühler Wind umwehte mich. Als ich an dem Wald anlangte, umgrenzten hohe regelmäßig gewachsene Tannenbäume eine große Waldlichtung mit saftigem grünen Gras. Auf dieser Waldlichtung stand eine große längliche Blockhütte. Nun fühlte ich, dass hier wohl vor der Blockhütte meine Reise zu Ende war. Rutschte von dem Karren und schaute mich in dieser fremden Umgebung ein wenig um. Auf der Wiese vor der Hütte schliefen einige Personen, welche mir völlig unbekannt waren und ihr Gesicht sah ich auch nicht.

Es schien mir so, als wurde ich schon erwartet. Aus der Hütte trat ein junger Mann, schwarzhaarig, mit einem schmalen Oberlippenbart und sehr gepflegtem Aussehen. Er begrüßte mich sehr freundlich, hieß mich willkommen und führte mich in die Hütte.

Ein großer gemauerter Herd, wie er eben noch vor mehr als fünf Jahrzehnten in so mancher Bauernküche zu finden war, strahlte wohlige Wärme aus. Auf der Herdplatte stand ein großer Kochtopf, in dem gerade etwas zu kochen begann. Während ich mich am Herd ein wenig aufwärmte, rannte der junge Mann bei einer anderen Tür hinaus zu dem rückwärtigen Teil der Blockhütte und rief: 

„Mutter, Mutter, der Ernsti ist heimgekommen“.

Sogleich wachte ich auf und der Eindruck dieses Traumes blieb bis heute in meiner Erinnerung erhalten.



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