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Das Mekka der Grenzgebietsforschung

Vorwort von Ulrich Magin

Die meisten Grenzwissenschaften leben von engagierten Laien, deren Begeisterung nur allzu oft ihre Qualifikation weit übertrifft. Einzige Ausnahme ist die Parapsychologie, eine Disziplin mit wissenschaftlichen Standards, die eigene Ergebnisse und Thesen kontrovers diskutiert und tatsächlich bemüht ist, die Spreu vom Weizen zu trennen. Der Psychologe Eberhard Bauer stellt in dieser Ausgabe von „Alternative Welten“ das einzige in Deutschland beheimatete wissenschaftliche Institut für Parapsychologie vor.

Viel Spaß beim Lesen!

Das Mekka der Grenzgebietsforschung in Deutschland – das „Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e.V.“ in Freiburg i. Br.

von Eberhard Bauer

Geschichte

Das „Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene“ (IGPP) wurde 1950 von dem Psychologen und Arzt Professor Hans Bender (1907-1991) gegründet, dem Hauptvertreter der deutschen Parapsychologie nach dem Kriege. Es ist die einzige Institution ihrer Art in Deutschland und verfügt über eine 50-jährige, ununterbrochene Forschungs- und Beratungstradition auf parapsychologischem Gebiet.

Das Institut als ein eingetragener Verein war von Beginn an auf private Mäzene angewiesen, zum Beispiel auf die „Fanny-Moser-Stiftung“, benannt nach der Zoologin und Spukforscherin Dr. Fanny Moser (1872-1953). 1954 wurde Prof. Bender an der Universität Freiburg i. Br. ein Lehrstuhl für Grenzgebiete der Psychologie übertragen, der 1967 in ein Ordinariat für Psychologie und Grenzgebiete der Psychologie umgewandelt wurde. 1975 wurde in der Nachfolge Benders Prof. Johannes Mischo (1930-2001) neuer Lehrstuhlinhaber, der von 1991 (dem Todesjahr Benders) bis 2001 zusätzlich Direktor des IGPP war. 2001 wurde Prof. Dieter Vaitl neuer IGPP-Direktor, der an der Universität Giessen Lehrstuhlinhaber für Klinische und Physiologische Psychologie ist und seit 1993 zum Vorstand des IGPP gehört.

Zwischen 1977 und 1998, dem Jahr von Mischos Emeretierung, konnten Psychologiestudenten im Rahmen des Diplomstudienganges Psychologie das freiwillige Zusatzfach „Grenzgebiete der Psychologie / Parapsychologie“ belegen und sich darin prüfen lassen. Einen eigenständigen Studiengang „Parapsychologie“ hat es allerdings an der Universität Freiburg nicht gegeben. Heute bietet das IGPP an der Universität Freiburg im Rahmen von Lehraufträgen weiterhin Lehrveranstaltungen zur Parapsychologie für Psychologiestudenten an. Eine zukünftige Option ist die Einrichtung eines besonderen Stiftungslehrstuhls für Grenzgebiete der Psychologie am Psychologischen Institut der Universität Freiburg.

Forschungsschwerpunkte

Bis zu seinem Umzug in neue Arbeits- und Laborräume (1996) im Zentrum Freiburgs war das IGPP jahrzehntelang im Gebäude „Eichhalde 12“ untergebracht, mit dessen Bau Bender kurz nach dem Kriege begonnen hatte. Diese Eichhalde-Periode stand bis Ende der 1980iger Jahre ganz im Zeichen der charismatischen Persönlichkeit Benders, der in der Öffentlichkeit zum Parapsychologie-Professor schlechthin wurde („Spukprofessor“). Das damalige Team bestand aus höchstens zwei bis drei unterbezahlten Mitarbeitern, in der Regel Diplompsychologen, die sich alle Facetten der täglichen Institutsarbeit teilten – darunter fielen die mündliche und schriftliche Beratungs- und Informationstätigkeit, Felduntersuchungen (zum Beispiel von Spukfällen, eine von Benders Hauptinteressen), Betreuung einer Fachbibliothek, Herausgabe einer Zeitschrift, Vorträge an Volkshochschulen oder Seminare und Vorlesungen an der Universität.

Die von Bender oft beklagte finanzielle Mangelsituation der Grenzgebietsforschung änderte sich von Grund auf seit den frühen neunziger Jahren, als das Institut dank des jährlichen Zuflusses von Stiftungsmitteln, die noch einer Initiative Benders zu verdanken waren, seine herkömmlichen Arbeits- und Forschungsbereiche erheblich erweitern und zahlreiche neue Mitarbeiter aus dem Mainstreambereich (Neuro- und Psychophysiologie, Theoretische Physik, Mathematik, Soziologie) einstellen konnte.

Heute ist das IGPP mit über 30 Mitarbeitern, wovon 20 Wisssenschaftler – in der Mehrzahl Psychologen – sind, das größte seiner Art in der Welt. Im Zentrum der Institutsarbeit, die in verschiedene Abteilungen untergliedert ist, steht die interdisziplinäre Erforschung psychologischer Anomalien (z. B. Telepathie, Hellsehen, Präkognition, Psychokinese) mit Hilfe empirischer Methoden der Kultur-, Sozial- und Naturwissenschaften (z. B. durch Umfragen, Archiv-, Interview- und Fallstudien, Laborexperimenten). Ein aktueller Forschungsschwerpunkt liegt z.B. auf den hirnelektrischen Korrelaten von veränderten Bewusstseinszuständen (hypnagogische Zustände oder Schlaf oder Reizentzug wie bei Ganzfeld-Experimenten), wie auch der Hirnaktivität bei Untersuchungen aus dem Bereich der experimentellen Parapsychologie, z.B. der Frage, was im Gehirn bei erfolgreichen Präkognitions- oder Psychokineseexperimenten „passiert“.

Beratung und Information

Seit seiner Gründung 1950 wenden sich jedes Jahr hunderte von Personen telefonisch und schriftlich mit der Bitte um Auskunft, Information oder Rat an das Freiburger Institut. Sie berichten über außergewöhnliche Erfahrungen, wie Ahnungen, Visionen, Wahrträume, Spukerscheinungen oder über „okkulte“ Praktiken (Glasrücken, Pendeln).

Aufgabe der IGPP-Beratung besteht darin, angesichts dieser oftmals als beunruhigend oder belastend empfundenen Erfahrungen auf der Basis parapsychologischer und klinisch-psychologischer Forschungsergebnisse Bewältigungs- und Verarbeitungshilfen anzubieten („Psychohygiene“), in Einzelfällen auch psychotherapeutische Betreuung. Ein Austausch existiert mit der 1989 gegründeten, ebenfalls in Freiburg ansässigen und vom Land Baden-Württemberg finanzierten „Parapsychologischen Beratungsstelle“, die von Dr. Walter v. Lucadou geleitet wird.

Zum Informationsservice des IGPP gehört ferner eine etwa 40.000 Bände umfassende Spezialbibliothek „Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie“ (einer der größten Büchersammlungen dieser Art in Europa), die jedes Jahr um ca. 1000 Bände wächst und deren Bestände zur Universitätsbibliothek Freiburg gehören. Das gesamte „grenzwissenschaftliche“ Schrifttum wird hier möglichst vollständig und unter Einschluss der so genannten grauen Literatur gesammelt – nicht nur wissenschaftliche Parapsychologie im engeren Sinne, sondern auch Okkultismus und Spiritismus in all ihren Spielarten, ferner Wünschelruten und Radiästhesie, Geistige Heilung und Paramedizin, Astrologie, Divinations- und Orakelpraktiken (Tarot, I Ging), UFO-Forschung, Magie und Zauberkunst und auch das große Gebiet der Anomalistik („Forteana“, Kryptozoologie, Atlantis, Kornkreise, Astro-Archäologie u.ä.).

Die Bibliothek bezieht etwa 350 Zeitschriften und Mitteilungsblätter aus der ganzen Welt. Vollständig vorhanden sind alle internationalen Fachzeitschriften für parapsychologische und anomalistische Forschung. Die Bestände der Institutsbibliothek sind komplett im Online-Katalog der Universitätsbibliothek in Freiburg erfasst und über die Universitätsbibliothek ausleihbar. Erwähnenswert ist noch das Institutsarchiv zur Geschichte der deutschsprachigen Parapsychologie, das sich besonders um Fotos, Filme, Korrespondenzen, Manuskripte und Gelehrtennachlässe kümmert.

Seit 1957 existiert die von Bender gegründete Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, die das einzige wissenschaftliche Fachorgan für parapsychologische Forschung in Deutschland darstellt.

Die Internetadresse des Instituts (www.igpp.de) enthält weitere Informationen über laufende Forschungsarbeiten und Publikationen der Mitarbeiter sowie aktuelle Ereignisse (Tagungen und Institutskolloquien).

Kontakt:

Dipl.-Psych. Eberhard Bauer
Institut für Grenzgebiete der Psychologie & Psychohygiene e.V. (IGPP)
Wilhelmstraße 3A
79098 Freiburg i. Br.
Internet: www.igpp.de

Anmerkung der Redaktion

Dieser Beitrag ist übernommen aus der Zeitschrift „phantastisch“, Ausgabe 2/2002. Die TW-Redaktion bedankt sich bei Herrn Dipl.-Psych. Eberhard Bauer, Herrn Ulrich Magin und Herrn Achim Havemann (Redaktion „phantastisch“ / Verlag Achim Havemann) für die Übernahmeerlaubnis. Alle Rechte beim Verlag A. Havemann. Besucher der TW-webside finden nähere Infos unter www.phantastisch.net


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