Seltsame Geschichten


Ein sonderbares Zusammensein

von Frank Klare

Am Sonntag, den 9. März 2003 machte ich mich mit meiner Frau Sabine am frühen Nachmittag auf dem Weg zu ihren Eltern. Die Sonne schien, es war eigentlich ein schöner Vorfrühlingstag, doch nahmen wir davon eher weniger Notiz. Bei ihren Eltern angekommen, saßen wir uns dann bald im Wohnzimmer an den Tisch. Sabine nahm auf dem Sofa Platz, ihre Mutter auf einen Sessel und ich an der anderen Seite des Tisches. Eine Weile später kam dann auch Sabines parkinsonkranker Vater in seinem Rollstuhl an den Tisch und wollte dann neben mir sitzen. So bat er mich dann auch gestikulierend, etwas nach rechts zu rücken, damit wir beide an der Tischseite genügend Platz hatten. Doch hatte ich gute Gründe dafür, so unangenehm mir das auch Ihm gegenüber war, möglichst meinen Stuhl nicht zu verschieben. Aber es ging dann auch so und er fand auch so noch genügend Platz neben mir am Tisch.

Sabine war an diesem Tag von tiefer Traurigkeit ergriffen und auch Sabines Mutter saß nur gedankenversunken bei uns und auch ich hatte an diesem Tag Schwierigkeiten, längere Unterhaltungen in Gang zu bringen. Schwiegervater jedoch störte das nicht, er schien der einzige von uns am Tisch zu sein, der am diesen Tag froher Laune war. Er sagte zwar auch nichts, jedoch merkte man ihn an, dass er sich über unseren Besuch sehr freute und darüber dass wir beieinander saßen. So hoffte ich dann, dass er Sabine und ihre Mutter doch noch mit seiner guten Laune anstecken könne. Doch saßen beide noch immer gedankenversunken da und wie es schien, nahmen sie überhaupt keine Notiz von ihm. Ich fand dass alles sehr bedauerlich, irgendwann fuhr ich mit Sabine dann wieder heim. 

Einige Tage darauf erzählte uns Sabines Mutter seltsames: Als sie morgens noch im Bett gelegen hat, hörte sie aus dem Wohnzimmer, wie Schwiegervater ein längeres Telefonat führte. Sie wunderte sich sehr, warum ihr Mann jetzt telefoniere, stand daher nach einer Weile auf, um nach ihm zu schauen. Als sie schließlich das Wohnzimmer betreten hat, aus dem sie eben noch Schwiegervater hat sprechen hören, war er jedoch nicht im Zimmer. Auch der Telefonhörer lag auf. Umschauend nach ihrem Mann klingelte es nun plötzlich an der Wohnungstür. Es war ein Mitarbeiter vom Bezirksamt, der wegen einem mobilen Rollstuhl für ihren Mann gekommen war. Die Angelegenheit hat sich jedoch erledigt und ihr Mann brauchte den Rollstuhl für draussen nicht mehr. Sie konnte dem Mitarbeiter daher nur die Nachricht überbringen, dass ihr Mann am 6. März 2003 infolge seiner langen Parkinson-Erkrankung verstorben war.

Am 9. März war ich wohl der einzige, der ihn auf wohl mentaler Ebene wahrnehmen konnte. Deshalb war ich auch nicht in der Lage, meinen Stuhl zu rücken, aus Sorge, dass Sabines Mutter fragen könne, weshalb ich den Stuhl rücke. Mir war nicht bewusst, wie Sabines Mutter in dieser Situation mit einer nachtodlichen Begegnung umgehen würde, deshalb schwieg ich. Schwiegervater selbst schien zudem überhaupt nicht gewusst zu haben, dass er verstorben war, er freute sich einfach nur wie zu Lebzeiten über unsere Zusammenkunft. So war es mir dann eine Erleichterung, von Sabines Mutter und ihrer Begegnung mit ihm zu hören. Nachdem ich merkte, dass sie damit gut umgehen konnte, erzählte ich ihr natürlich auch von unserem Zusammensein am 9. März. Mit Sabine sprach ich noch am Abend des 9. März darüber, ihre Trauer war jedoch so stark, dass sie gedankenversunken seine Präsenz nicht wahrnehmen konnte, obgleich sie sonst durchaus diese sensitive Voraussetzung hat. Wir nahmen dann noch nach dem 2. Besuch mentale Verbindung zu ihm auf, um ihn den Weg ins Licht zu weisen und gerade Sabine lernte daraus, dass große Trauer dem Verstorbenen durchaus am Hinübergang hindern kann, womit sich auch viele nachtodliche Begegnungen erklären, die am häufigsten zwischen Todestag und Beisetzung und aber auch zu den Jahrestagen der Geburt oder des Todes gehäuft auftreten, wie es vielfach in entsprechender spirituellen Literatur nachzulesen


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