Seltsame Geschichten


Die Rast

von Frank Klare

Gegen Mitte der Achtziger war ich mit meiner Mutter, wie öfters zu der Zeit, zu einer Radtour unterwegs. Diesmal ging die Fahrt u.A. durch den Berlin-Spandauer Forst. Nach etlichen Kilometern wollten wir schließlich an diesem herrlichen Sommertag eine Verschnaufpause machen. So stießen wir mitten im Wald auf eine Lichtung mit einem Tümpel, in dem sogar einige Frösche quakten. Und wie für uns geschaffen, fanden sich am Wegesrand zwei oder drei Sitzbänke, die förmlich zum Verbleib einluden. So saßen wir also in diesem idyllischen Umfeld inmitten der schönen Natur.

Nur, irgend etwas stimmte nicht! Während meine Mutter die Rast genoss, hatte ich sehr bald nur einen Wunsch: Bloß weg hier! Bis heute kann ich nicht genau sagen, was es war. Ich verspürte ein extremes Unwohlsein, das gar schon an einer persönlichen Bedrohung grenzte. Irgend etwas Negatives schien einfach in der Luft oder in der Umgebung zu liegen. Ich hatte nur den Drang, hier möglichst schleunig fortzukommen, was ich auch wiederholt meiner Mutter gegenüber bekundete. Schließlich gab sie dann meinem Bekunden, welches sie allerdings überhaupt nicht nachvollziehen konnte, nach, und so fuhren wir sehr bald schon wieder von dannen.

Als ich meine Mutter vor einiger Zeit nach gut 15 Jahren darauf ansprach, konnte sie sich  immer noch gut daran erinnern. Sie wusste sogar noch von einem älteren Ehepaar zu berichten, das langsamen Schrittes des Weges bei uns vorbeizog. Nur: Beim besten Willen weiß ich überhaupt nichts mehr von einem älteren Ehepaar. Habe ich dies vielleicht in all den Jahren vergessen? Oder habe ich das Ehepaar bereits damals nicht wahrgenommen und falls nein, warum nicht?


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