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Seltsame Geschichten Ondine von
Stephan Focke Eine gute Bekannte von uns hat eine Hündin. Nun habe ich doch schon wieder vergessen, wie sich diese Rasse nennt, hat die Größe und fast das Aussehen, wie ein Bernhardiner. Eine ganz liebe, die Ondine. Sie war schwer krank geworden. Und die Tierärztin wusste sich auch nach 5 Wochen keinen Rat, was sie eigentlich haben könnte, es wurde viel ausprobiert. Meine liebe Bekannte raffte sich dann nach fünf Wochen dazu auf, mich zu fragen, ob ich nicht mal vorbei kommen, und es versuchen wolle, ihr zu helfen, was ich natürlich nicht ablehnen konnte, obwohl, ich hatte ein eigenartiges Gefühl dabei. Mit meiner Frau Andrea bin ich an einem Samstag also dann zur Bekannten hin. Ondine lag auf ihrer Decke, zugedeckt mit einem großem Handtuch, welches sie selbst wieder über sich zog, wenn es verrutschte. Wir sahen sie uns an und ich sah in ihren Augen diese Hoffnungslosigkeit und dass man sie doch endlich sterben lassen möchte. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich aber noch alles versuchen, was ging. Ich fing also an, bei ihr Hand aufzulegen. Es wurde an sehr vielen Stellen glühend heiß, an viel zu vielen Stellen, was kein gutes Zeichen war. Ich sah dann medial in sie hinein. Kein schöner Anblick, wenn etwas da ist, wo es nicht hingehört. Dann sehe ich es als graue Bälle und/oder Knoten und Ondine war voll davon, überall. An allen wichtigen Organen hingen sie und in ihrem Nervensystem, einfach überall. Ich sagte es meiner Bekannten. Sie sagte, dass die Tierärztin zu ihr meinte, dass da wohl was ist, aber sie es nur mit Sicherheit sagen könnte, wenn man ihren Körper öffnet und dass sie dies bei ihrem geschwächten Zustand wohl nicht überleben würde, also ließ man es. Also behandelte ich sie eine ganze Weile mit Handauflegen, bis sie genug hatte und sich davon schleppte. Wir fuhren dann nach Hause. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch, ich hätte etwas gutes getan. Schließlich konnte oder wollte ich nicht akzeptieren, das man etwas wie den Tod nicht aufhalten kann. Am Sonntag waren wir wieder da. Schon auf der Hinfahrt wurde mir klar, das es keinen Sinn mehr machen würde. Ondine wollte einfach nicht mehr. Als wir ankamen, hob sie nur kurz ihren Kopf und ließ ihn dann wieder fallen, ein tiefes Seufzen hörend lassend. Und während ich neben ihr kniete, geschah etwas unerwartetes. Ich spürte plötzlich ein Gefühl und es sagte mir deutlich „lass es sein, verlängere nicht mehr ihre Zeit der Qual.“ In dem Moment erschien eine Gestalt links neben mir, die nicht viel größer als Ondine war, aber nur für mich einen Augenblick zu sehen. Normalerweise steigen Tiere auf, ohne in einem Zwischenreich zu landen, so wie wir Menschen es tun. Und nur bei sehr besonderen Seelen kommt der Gott der Tiere persönlich, um sie zu holen. So war es bei Ondine. Ich nickte beiden zu. Es sollte einfach nicht mehr sein. Die Gestalt neben mir verschwand dann wieder, nahm aber Ondine noch nicht mit. So kniete ich mich wieder neben sie und entschuldigte mich bei ihr, dass ich es war, der ihre Leiden noch verlängert hatte. Später, als wir nach Hause fuhren, hatte ich die Gewissheit, dass ich so was nie wieder tun würde. Wenn die Zeit um ist, muss man sie gehen lassen. Am Dienstag darauf, morgens um 8,23 Uhr, als ich mit Andrea beim Frühstück saß, stieg mir plötzlich der Geruch von Ondine in die Nase. Er kam von rechts, ging dann hinter mir lang und danach links von mir. Ich ging hinaus, ich musste einfach alleine sein. Als ich dann bei uns auf dem Bett saß, kamen Gefühle über mich, die mich einfach überwältigten. Freude, Glück, keine Schmerzen mehr, Liebe und alles auf einmal. Und dann sah ich sie! Ondine saß cirka 1 Meter von mir entfernt vor mir. Ihre dunklen Augen strahlten. Große Ehre wurde mir zuteil, weil sie so zu mir kommen wollte. Und ich sagte zu ihr, dass sie Glück habe, das sie ein Hund sei. Einen Menschen würde man noch viele Jahre auch gegen seinen Willen am Leben erhalten. Als wir meine Bekannte fragten, was um diese Uhrzeit bei ihr los war, sagte sie, dass Ondine ohne ersichtlichen Grund aufgestanden und in die Küche gewankt sei. Dort habe sie sich unter dem Küchentisch gelegt. Als sie zu ihr kam, waren ihre Augen für einen kurzen Moment ganz klar. Und meine Bekannte machte sich wieder Hoffnung. An diesem Tag hat sie die Tierärztin dann noch nicht erlöst, aber am darauf folgenden Tag. Und heute weiß ich, dass es ihr sehr gut geht und dass sie, wann immer sie es will, zu meiner Bekannten kommen kann und vielleicht auch zu mir, wann immer ihr danach ist.
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