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Seltsame Geschichten Nächtlicher Besuch von Frank Klare Bestimmt kennen Sie auch die hier wiedergegebene Situation: Sie sitzen im Bus oder in der Straßenbahn. Es ist rappelvoll, vor und hinter Ihnen sitzen viele andere Menschen. Dann haben Sie plötzlich das Gefühl im Nacken, daß Sie jemand hinter Ihnen permanent anstarrt. Haben auch Sie sich dann mal irgendwann umgedreht, um dann festzustellen, daß Ihr Gefühl richtig war? Da wir im Hinterkopf keine Augen haben, müssen wir uns fragen, woher wir dann diese Kenntnis haben? So gehe ich von ASW (außersinnliche Wahrnehmung) in vereinfachter Form aus. Das nun folgende Erlebnis erinnert sehr an die Bussituation, nur daß ich daheim war. Etwa Mitte der Achtziger bewohnte ich eine kleine Einzimmer-Wohnung. Nebenberuflich war ich seinerzeit mit einem Kollegen als Musiker tätig. Meine Wohnung war es dann, die für alles herhalten musste. In dem Zimmer wohnte und schlief ich, aber auch das umfangreiche Instrumentarium (Keyboards, Synthesizer und Computer) meines Elektronikduos musste noch untergebracht werden. Zumeist fand ich dann erst zur nächtlichen Stunde die Zeit und Ruhe, um ungestört komponieren zu können. Um die Nachbarn nicht zu verärgern, benutzte ich hierbei stets geschlossene Kopfhörer, so auch in dieser Nacht. Meist verging beim Komponieren die Zeit wie im Fluge. Es war inzwischen wieder zwischen 2.00 Uhr oder 3.00 Uhr früh, als ich noch immer an den elektronischen Apparaturen saß, um über Kopfhörer an neuen Werken zu tüfteln. Doch irgendwie fühlte ich mich nun etwas abgelenkt. War ich schon müde? Macht nichts, ich arbeitete trotzdem weiter. Aber dennoch, ich konnte mich nicht mehr richtig konzentrieren. Irgendwas „war da“ und störte die nächtliche Ruhe. Das „was“ nahm dann in meinem Kopf konkrete Gestalt an: „Mein Musikerkollege steht vor der Wohnungstür! Aber um diese Zeit?“ Da das wohl kaum möglich sein konnte, versuchte ich dann weiterzuarbeiten. Doch mein „Gefühl“ ließ mich nicht mehr, so stand ich auf und ging zur Wohnungstür, um sie zu öffnen. Und wer stand im Dunkeln davor: Mein Kollege! Natürlich „entschuldigte“ er sich sofort bei mir, indem er sprach: „da ich gerade bei dir in der Nähe war und der Nachtbus nicht mehr fährt, wollte ich diskret horchen, ob du noch auf bist. Ich stehe hier schon etwa zehn Minuten und wollte eigentlich gerade wieder gehen, weil ich keine Geräusche hörte und dich somit nicht wecken wollte.“ In den etwa zehn Jahren, in denen wir zusammenarbeiteten, war dies sein einzigster unangemeldeter Besuch zu später Stunde.
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