Seltsame Geschichten


Heirate Mohamed!

von Frank Klare

Folgende Begebenheit wurde mir von einer Bekannten, nachfolgend Frau F. genannt, zugetragen. Frau F. war lange Zeit eine Nachbarin im Wohnhaus, wo ich lebte. Aus anfänglicher Nachbarschaftshilfe entwickelte sich ein freundschaftlicher Kontakt, sodaß ich meine, die von Frau F. wiedergegebenen Geschehnisse haben sich tatsächlich so zugetragen. Auch als ich später ihre Freundin, hier Frau C., genannt kennenlernte, schien sich der folgende Sachverhalt zu bestätigen.

Anfang der Achtziger (damals kannte ich Frau F. noch nicht) erhielt sie, wie sehr oft in dieser Zeit, Besuch von ihrer besten Freundin Frau C. Doch an diesem Tag stimmte irgendetwas nicht. Die beiden Frauen haben schon so manches zusammen erlebt, waren für jeden Spaß zu haben und gingen sozusagen durch dick und dünn. Da Frau F. im Gegensatz zur verheirateten Frau C. alleinstehend war, war Frau C. die wichtigste Bezugsperson.

Zumeist ließen sich beide, wenn sie nicht gerade unterwegs waren, gemütlich in der kleinen Wohnküche der Frau F. bei einer Tasse Kaffee nieder, um über Gott und die Welt zu klönen, so auch an diesem Tag. Plötzlich kam von irgendwo ein Pfennigstück angeflogen und blieb auf dem Tisch liegen. War es eine der beiden Katzen, die unbemerkt den Pfennig in die Mache bekam und damit spielte?

Als Frau C. nächstes Mal zu Besuch war, flogen wieder Kleingeldmünzen durch die Luft, diesmal im Wohnzimmer, eine der Münzen blieb in einem der Deckenlampenteller liegen. Diese offensichtlichen Scherze der Frau C. fand Frau F. irgendwann nicht mehr lustig. Doch der Verdacht, die Freundin betreibe monotone Scherze, hielt nicht lange. Denn wie beide beobachten konnten, flog das Geld auch durch die Luft, obgleich beide ganz still saßen. Die Katzen fanden es auch nicht mehr lustig und verkrochen sich neuerdings immer, kurz bevor Frau C. an der Tür läutete.

Fortan steigerten sich die Aktivitäten. Anstelle der Münzen waren nunmehr größere Gegenstände in Bewegung. Ein Aschenbecher aus Stein landete plötzlich lautknallend auf dem Küchentisch, obgleich der Aschenbecher im Wohnzimmer stand und die Türe zu war!

Den beiden Frauen fiel irgendwann auf, alle fliegenden Gegenstände sind sehr warm, wenn man sie anfasste. Irgendwann tauchte eine fast krächzende Stimme auf, die irgendwelche sinnige bis unsinnige Befehle aussprach. So besaß Frau F. aus Kindertagen noch einen großen Stoffesel. Die Stimme sagte eines Tages immer wieder wahlweise zu Frau F. und Frau C., sie sollen nun auf dem Esel reiten. Die Münder beider Frauen bewegten sich während dieser Befehle nicht. Mit Mischung aus Angst und Humor leisteten schließlich die beiden Frauen dem Befehl Folge und reiteten nacheinander den Stoffesel, halb laut lachend und halb am Verstand zweifelnd. Dann gab es einen lauten Knall, einer der Teller der Deckenlampe kommt in zig Scherben herunter und verletzt zum Glück niemanden.

In der nächsten Zeit gesellten sich noch weitere Begebenheiten hinzu, beispielsweise war während einer Unterhaltung quasi plötzlich „der Ton weg“. Die Münder der beiden Frauen bewegten sich zwar, aber akustisch war einfach nichts zu hören. Hinterher mußten beide Frauen zeitgleich den selben Eindruck bestätigen.

All diese merkwürdigen Vorgänge häuften sich immer mehr – aber stets nur dann, wenn Frau C. in der Nähe war. Auch auf der Straße und unterwegs tauchten die Phänomene nunmehr auf. Es dauerte also nicht mehr lange, bis dies auch Frau F. erkannte und somit die Verantwortung der Geschehnisse auf ihre beste Freundin zuordnete. Doch derweilen ist beiden Frauen der Humor vergangen. Frau C. beteuerte immer wieder, sie habe damit nichts zu tun, sie sei nicht verantwortlich.

Diese Dialoge wurden gleichsam mit den Phänomenen immer schärfer, sodaß die ehemaligen Freundinnen nunmehr streitend zusammensitzen und Frau C. immer öfter in Tränen ausbricht. Dennoch war es immer wieder die krächzende Stimme, die die Fronten immer weiter verhärten ließen. Als quasi die Nerven der beiden Frauen blank lagen, folgte der Befehl an Frau F.: „Heirate Mohamed“!

Dazu muß man wissen, Frau C. war zu der Zeit mit einem Araber verheiratet. Ihr Mann wiederum hatte einen Familienangehörigen in Berlin, der noch unverheiratet war. Die Abschiebung aus Deutschland drohte, so Mohamed nicht durch Eheschließung deutscher Staatsbürger wird. Doch so dramatisch wie offensichtlich, wie sich die anfänglich lustige Geschichte zuspitzte, desto mehr beteuerte Frau C. nunmehr nur noch unter Tränen, daß sie unschuldig sei und die Vorgänge nicht auslöse.

Es kam dann, wie es kommen mußte, Frau F. brach über viele Jahre hinweg den Kontakt zu ihrer ehemals besten Freundin ab, da sie nicht mehr bereit war, dies weiter mitzumachen. Was aber war nun überhaupt geschehen? Was an personengebundene Poltergeistphänomene erinnert, schien in diesem Falle tatsächlich auf übelste Weise auf schwarze Magie zurückzuführen sein. Dabei war Frau C., m.E. möglicherweise ohne ihr Wissen, als „Medium“ oder „Sender“ mißbraucht worden, als Werkzeug, um dem Wunsch der Familie ihres Mannes Folge zu leisten – nämlich, daß Mohamed zwecks Einbürgerung verheiratet wird. Wie dennoch diese drastischen Mittel zum Einsatz kommen konnten, ist schwer zu beurteilen. Hat der Mann von Frau C. in den Kleinanzeigen der Tageszeitungen ein Inserat „Problemlösungen“ kontaktiert? Die zwielichtigen Praktiken solcher dubiosen Anbieter sind ja hinlänglich bekannt.

Nach etlichen Jahren hatte Frau F. wieder Kontakt zu Frau C., wenn auch die Freundschaft nicht mehr zu retten war. Ich lernte sowohl Frau C. als auch ihren Mann kennen. Während Frau F. nachwievor von beiden ein Eingeständnis und eine Entschuldigung verlangt, war ich dabei, als Herr C. nur abwiegelte: „Ach lasse die alten Geschichten...“, in einer Art, die mir den Wahrheitsgehalt der Geschichte belegte. Nachdem Frau F. dann Herrn C. sozusagen vor die Tür setzte, ist das Verhältnis zu Frau C. bis heute offenkundig infolge schwarzer Magie zerstört.

Diese bewegende Geschichte wirft die Frage auf, wieviele sog. Poltergeistphänomene in Wahrheit Mittel zum Zweck sind und wieweit psychokinetische Effekte auf magischen Praktiken beruhen.


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