Seltsame Geschichten


Das Kantholz

von Stephan Focke

Ich möchte hier berichten, was ich einmal geträumt habe und was daraus wurde. Ich träumte in der Nacht vom 16. zum 17. 12. 1984, daß es in einem See, ziemlich in der Mitte eine sonderbare Konstruktion gab. Dort standen vier Kanthölzer im Wasser, in einem Viereck aufgestellt und mit Brettern verbunden. In der Mitte stand ein weiteres Kantholz. Es schaute weiter als die vier anderen aus dem Wasser heraus. Rings um den See war Landschaft. Still war es dort. Im Traum ging es darum, daß man das Wasser aus dem See heraus laufen lassen mußte, um an die Höhle heranzukommen. Ich konnte mir im Traum damals nicht vorstellen, wie das Wasser einfach aus dem See ablaufen sollte. Aber im Traum ging es.

Und nun kommt es: Am 20. 8. 1991 war ich mit meiner Mutter im Urlaub in Bad Grund, das ist im Harz. Da hielt ein Pfarrer einen Vortrag über die verschiedenen Seen, die es in der Gegend gibt. Und irgendwann mittendrin zuckte ich zusammen, als er davon sprach, was ich einst mal geträumt hatte. Denn es gibt sie auch in Wirklichkeit: Die Bergmänner in der Gegend legten damals diese Seen an. Wenn man das Kantholz hochzog, dann floss Wasser in die Stollen. Man konnte in eigens dafür gegrabene Bewässerungsgräben das Wasser zum Spülen oder auch zum Kühlen der Maschinen nehmen. Die Dinger nennen sich Stiegenhäuser. Es können richtige kleine Hütten auf Stelzen im Wasser stehen, oder aber auch nur ein Laufsteg mit einem Kantholz in der Mitte, welches von einer Person hochgezogen werden konnte.


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