Seltsame Geschichten


Die Kalkkuhle

von Stephan Focke

Ca. 1973 oder auch etwas später, es war Sommer und so richtig schön warm, eben halt Badewetter. Meine Wenigkeit und noch ca. 5 aus meiner Klasse waren bei uns in Bierden, beim Ellisee (Baggersee).

Dort gab es auch ein Mörtelwerk mit Kalkkuhlen und wie man weiß, auch sehr tief. Acht Meter sind keine Seltenheit. Wir spielten dort mit einer Frisbeescheibe. Der eine von uns warf sie zu hoch. Und schon lag sie am Rand der Kalkkuhle.

Ich trat vorsichtig an den Rand und angelte mir sie wieder runter. Dabei drückte mein rechter Fuß ein, aber nicht sehr doll. Danach spielten wir weiter. Dann, nach einem Moment, segelte sie wieder Richtung Kalkkuhle, doch diesmal bis in die Mitte, nach ihr zu angeln mit einem Stock, war nicht mehr möglich. Tja, und nun standen wir da und machten blöde Gesichter. Nach einem Moment testete ich den Rand, er hielt.

Vaddern hatte immer gesagt, „fällst du da rein, dann bist du erledigt!“. Und ich wußte, daß das kein Witz war. Aber dennoch machte ich einen Schritt nach dem anderen, bis ich bei ihr war, nahm sie auf und ging wieder zurück. Ich hatte die Kruste nicht einmal eingedrückt. Dann am Rand nahm ich einige Stücke Kalk, ca. 2 cm im Durchmesser, und warf sie ca. 2-3 Meter hoch. Als sie aufschlugen, schlugen sie so durch die Kruste durch, noch nicht einmal 1 Zentimeter darunter war der Kalk bereits feucht.

Der Besitzer der Kuhle kam und fuhr uns an, sagte, wir sollten da keine Steine hineinwerfen. „Ist nur Kalk“, habe ich gesagt und ein anderer von uns meinte, er ist eingesackt. Darauf der Besitzer: „Natürlich ist er das. Da kann man nicht raufgehen, man würde sofort versinken! Doch man ist schon tot, bevor man ganz weg ist, es erdrückt einen!“ Darauf ein anderer von uns: „Kann irgendwie nicht sein, er ist zweimal drauf gewesen“ und deutete dabei auf mich. Der Besitzer schluckte: „Das geht doch nicht! Seit Ihr denn wahnsinnig geworden?“ – „Nein, aber er hat es gemacht.“ Und darauf ich: „Soll ich es Ihnen zeigen?“ – „Nein! Und jetzt haut ab hier!“

Auch jetzt noch, wo ich es aufschreibe, weiß ich es noch, als wäre es gestern gewesen. Und man kann nicht darauf herumlaufen, das wird jeder bestätigen – und trotzdem habe ich es getan, ohne Spuren darauf zu hinterlassen.



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