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Seltsame Geschichten Der rätselhafte Helfer von Michael Stehr Es muß um das Jahr 2004 gewesen sein. Ich lebte zu dieser Zeit in Recklinghausen im Ruhrgebiet. An einem Tag am Wochenende brachte ich alte Kleidung zum Container, verpackt in einem großen Pappkarton und zwei Tragetaschen aus Stoff. Ich parkte mein Auto direkt hinter dem Container, nahm den Karton heraus und stellte ihn neben den Einwurfschacht. Ich hatte gerade begonnen, die Kleidung aus dem Karton zu nehmen und in den Schacht zu werfen, als mich plötzlich jemand von von der Seite ansprach. Ich erschrak, da ich vorher niemanden bemerkt hatte. Es war ein Mann zwischen 40 und 50 Jahren in alter, etwas abgenutzter Kleidung. Er trug die blonden Haare schulterlang, hatte einen Vollbart und wirkte wie ein Landstreicher. Was mich überraschte, waren der freundliche, friedliche Ausdruck in seinen Augen, die gute Ausdrucksweise und seine wohlklingende Stimme. Er fragte mich, ob er mir helfen könne und begann, ohne meine Antwort abzuwarten, ebenfalls Kleidung aus dem Karton in den Schacht zu werfen. Ich muß dazu erwähnen, daß ich ein sichtbares Rückenleiden habe. Wir leerten gemeinsam den Karton und dann noch die beiden Tragetaschen, wobei wir ein wenig plauderten. Als wir fertig waren, fragte mich der Mann, ob er eine der Tragetaschen mitnehmen könne, da jemand in seinem - wie er sich ausdrückte - Wohnheim sie vielleicht gebrauchen könnte. Ich gab ihm die Tasche und fügte noch hinzu, daß ich ihn natürlich nicht beleidigen wolle, ihm aber als kleinen Dank für seine Freundlichkeit gerne fünf Euro geben würde. Ob er einverstanden sei? Er nahm dankend an. Dann gab er mir einen kleinen Prospekt einer christlichen Glaubensgemeinschaft und sagte: "Gott schütze Sie und Ihre Familie!" Ich verabschiedete mich von ihm, und er stieg auf ein altes Fahrrad. Ich bemerkte, daß quer vor dem Lenker eine geflochtene, kleine Holzkiste befestigt war, in der sich Blumen - ich glaube, es waren Stiefmütterchen - befanden. Ich stieg in mein Auto, fuhr ein paar Meter und wendete auf der Straße. Als ich wieder an dem Altkleidercontainer vorbeikam, war der Mann zu meinem Erstaunen verschwunden. Er war mir nicht entgegengekommen, denn sonst hätte ich ihn logischerweise sofort gesehen. In der Zeit, die ich zum Wenden brauchte, hätte er die nächste Querstraße nicht erreichen und außer Sicht abbiegen können. Zwischen dem Bürgersteig und dem angrenzenden Grundstück befand sich ein brusthoher Maschendrahtzaun, den er unmöglich in der Kürze der Zeit mit seinem Fahrrad hätte überwinden können. Ich denke noch heute manchmal an den freundlichen Mann und sein merkwürdiges Verschwinden zurück.
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