Seltsame Geschichten


Hallo, hier bin ich!

von Frank Klare

Als meine Großmutter ihrer Nachbarin begegnete, sprach die Nachbarin zu meiner Großmutter:“Mir ist es fast unangenehm, darüber zu reden. Aber stellen Sie sich vor, in der letzten Zeit bekam ich nachts öfters Besuch von meinem Mann.“ Verständlich, daß die Nachbarin diese Behauptung nur schwer über die Lippen brachte, ist ihr Mann doch schon seit Jahren verstorben...

Erstaunlich ist, daß es gerade meine Großmutter war, welcher es die Nachbarin anvertraute. Vielleicht hatte die alte Dame sonst niemanden, wem sie es erzählen könnte. Oder vielleicht traute sie sich nicht, vor ihrer Verwandtschaft davon zu reden, womöglich aus Angst, nicht ernst genommen zu werden.

Meine Großmutter wiederum glaubte in der Vergangenheit allerdings ebenso überhaupt nicht an Geister und Spuk. Als ihr Mann Heinz J. noch lebte, hatte er gleichsam desöfteren Kontakt mit Paranormalem und auch Geistererscheinungen. Meine Großmutter glaubte ihm das jedoch nie sorecht und hielt die Geschichten für eine Art erfundenen Unsinn ihres Mannes. Mittlerweilen ist Heinz J. ebenfalls viele Jahre tot. Doch auch nach seinem Ableben riss der Kontakt zu ihr nicht ab!

Sein erster Besuch erfolgte bereits knapp eine Woche nach seinem Tod. Mitten in der Nacht wurde meine Großmutter wach und ihr verstorbener Mann stand in voller Montur neben ihrem Bett. Nach dem ersten großen Schreck meiner Großmutter lächelte er sie an und begrüßte sie herzlich mit den Worten: „Hallo, hier bin ich!“ Das nächste, was dann meine Großmutter tat, war es, die Nachttischlampe einzuschalten. Vielleicht um ihn besser zu sehen, oder um zu glauben, daß alles wahr ist, wo sie doch sonst nie an Geister glaubte. Doch niemand war mehr im Zimmer. Nachdem sie sich überzeugt hat, daß er sich weder in Küche und Bad, noch im Flur oder auf dem Balkon befand und daß alle Türen und Fenster verschlossen waren, begab sie sich schließlich irgendwann fassungslos zurück ins Bett. Es dauerte, bis sie das Nachttischlicht wieder löschte. „War das alles nur ein Traum?“ So und so ähnlich kreisten nun ihre Gedanken durch den Kopf.

Einige Tage später war er nachts wieder da. Diesmal ging alles sehr schnell, so daß sie noch nicht einmal das Nachttischlicht einschalten konnte. Nachdem meine Großmutter nicht einschlafen konnte, stand er plötzlich mitten im Zimmer! Bevor sie ihn irgendetwas fragen konnte, zum Beispiel wie er in die Wohnung kam, schritt er geradewegs Richtung Fensterwand. Vor der Wand machte er nicht etwa halt – nein – er schritt einfach durch sie hindurch!

Auf ähnliche Art und Weise bekam meine Großmutter dann noch desöfteren Besuch von Ihrem verstorbenen Mann. Meist ging das einige Tage hintereinander, dann war wieder Monate Ruhe, bis zur nächsten Besuchswelle. Vielleicht nur ein sehnliches Wunschdenken alter einsamer Damen? Oder doch nur alles Träume? Im Falle meiner Großmutter kann die Antwort aber auch lauten: „Hallo hier bin ich. Wie du siehst, es gibt sie doch – die Geister!“


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