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Seltsame Geschichten Dreifacher Schreckenvon
Frank Klare Manches mal können wir als Redakteure ja fast ein wenig neidisch werden, was viele unserer Leser in unserer Reihe Seltsame Geschichten zu erzählen haben, von spurlos verschwundenen Dingen bis hin zu Geister-Erscheinungen und Anderem. Doch vereinzelt machen die Seltsamen Geschichten dann doch auch vor unserer eigenen Türe nicht halt. So gab es ein Erlebnis, das lassen Sie mich bitte vorweg sagen, das wir Ihnen nicht wünschen würden und sich am 28. Mai 2006 in unserem Berliner Mehrfamilienhaus zugetragen hat. Es war bereits am frühen Abend, der Jahreszeit nicht entsprechend jedoch war es schon recht dunkel draußen, weil es ständig wie auch die Tage davor schon Schauer und Gewitter gab, auch jetzt war wieder ein Gewitter gerade durch und das nächste in sichtbarer Nähe. Doch es half nichts und meine Frau Sabine musste nochmals runter, den Müll runter bringen. So machte sie sich also auf den Weg, mit der Mülltüte die Treppe runter und zum Hof, wo unsere Mülltonnen stehen. Auf dem Rückweg holte sie dann noch eine Zeitung vom Kiosk um die Ecke, hatte Glück, noch trockenen Fußes unser Haus zu erreichen. Schließlich ist sie die Treppen wieder hoch, inzwischen war es draußen fast stockdunkel vor Schauerwolken. „Nun ja, macht ja nichts, bin ja wieder daheim“ hat sie gedacht und holte den Schlüssel aus der Tasche, um aufzuschließen. Doch an diesem 28. Mai war irgend etwas anders als sonst, wie meine Frau alsbald feststellen musste. Beim Reinstecken des Schlüssels bemerkte sie, dass er scheinbar nicht passt plötzlich (?). Nun, das Schloss unserer Wohnungstür harkte schon immer etwas, „aber heute will er einfach überhaupt nicht reinzuschieben sein“, dachte sie wohl noch. Während meine Frau rumfuchtelte, ging inzwischen im Treppenhaus das Licht aus, sodass sie den daneben befindlichen Lichtschalter betätigte, wenigstens funktionierte dieser noch. Leicht am Verstand zweifelnd und zugleich in Sorge, dass jetzt auch noch das Schloss ganz hinüber ist (bei dem Schauerwetter dann nochmals raus zur Telefonzelle, um Schlüsseldienst anzufordern?), probierte sie in „letzter Verzweifelung“ die anderen Schlüssel ihres Bundes. Doch natürlich passte keiner der Schlüssel. Auch der eigentlich richtige Schlüssel ließ sich kein Millimeter ins Schloss schieben. Was war passiert? Hat jemand rasch das Schloss ausgetauscht, als sie Müll wegbrachte und zum Kiosk ging? Oder gab es einen dummen Kinderstreich, dass dort Kaugummi oder schlimmer noch Leim oder anderes Zeug das Schloss verklebte, sodass Schlüssel nicht passte? Während meine Frau sozusagen „letzten Versuch“ wagte, mit nun mehr Gewalt sich bemühte, die Tür zu öffnen, geschah Unerwartetes: Die Tür öffnete sich! Jedoch nicht meine Frau öffnete sie, nein, von innen wurde sie geöffnet. Natürlich war meine Frau in diesem Moment froh, dass ich wohl was mitbekam und sie aus dieser misslichen Lage durch Einlass befreite, denken Sie? Sicher, das wird meine Frau wohl auch gedacht haben, als das Rumdrehen des Schlosses von innen die Ohren meiner Frau erleichterte. Doch, das können Sie uns glauben, diese Erleichterung war nicht von langer Dauer! Nun stand meine Frau da (noch immer vor der Tür), es stockte ihr den Atem und ihre Augen wurden zugleich immer größer, denn: Wer vor ihr stand, war nicht ich! Vielmehr stand mit ebenso entsetztem Blick ein Afrikaner vor ihr und wir können heute nicht mehr sagen, wer entsetzter blickte, ob der Afrikaner oder meine Frau (?) Auch wissen wir nicht mehr, wer wann nach Phase des Entsetzens den ersten Ton über die Lippen brachte. Schließlich, so erinnert meine Frau sich weiter, wurde sie womöglich rot im Gesicht, als sie mir das lautschallend lachend erzählte und dem Afrikaner stammelnd so etwas „...oh! Ist mir das peinlich! Entschuldigung“ (drucks, stotter) gesagt haben muss. Denn dieser Afrikaner – an was dachten Sie, werte Leser? – war kein Geist, sondern lebendig aus Fleisch und Blut, aber auch kein Einbrecher, hier und da haben wir diesen Nachbarn eine Etage unter uns ja schon im Treppenhaus getroffen und freundlich gegrüßt. Schließlich stieg meine Frau noch eine weitere Etage hoch, um nun hoffentlich die richtige – unsere – Wohnungstür erreicht zu haben... Nun, zugegeben, sicher eine Story, die nur in einer Großstadt wie Berlin mit Mehrfamilienhäusern passieren kann. Auch der Mann des feinen Humors Vicco von Bülow alias Loriot hat in seinem Film Ödipussi diese vielleicht nicht sehr seltene „Großstadt-Problematik“ aufgegriffen. Toppen lässt sich Erzähltes nur noch mit einem Fall, den wir von früherer Nachbarin im selben Haus erfuhren, ironischerweise auch noch eine Nachbarin, die dort wohnte, wo wir jetzt sind (wir zogen Anfang 2006 innerhalb des Hauses um). Auch bei ihr irrte sich der Obermieter in der Etage, hier endete jedoch die Story mit einem Schrei, da hier sogar damals der Schlüssel passte und Obermieter plötzlich in der Wohnung stand. Was lernen wir daraus? Nichts gegen richtige Geister. Auch meine Frau hätte wohl lieber einen Geist gesehen, als den entsetzten Nachbarn. Doch – man weiß ja nicht – schauen Sie im Zweifelsfall lieber zweimal hin, ob der Geist bei Ihnen nicht ausschaut wie Ihr Nachbar (?)
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