Phänomene


Willi aus Käfig teleportiert?

von Kerstin Göbel

Willi in seiner „Sommerresidenz“ im Garten (Foto: Philipp Litschel)

Am Abend des 4. Juni 2006 habe ich wie immer bevor ich ins Bett gehe, noch einmal nach Kaninchen Willi und den Meerschweinchen gesehen, noch Futter gegeben und eine gute Nacht gewünscht.

Kaum, daß ich im Bett war, war im Flur ein heftiges Gepolter. Raus aus dem Bett, aber außer verdatterten Katzen war nichts zu sehen. Auf der Treppe lag ein frischer Köttel. Der Größe nach könnte der allenfalls vom Kater Wuschel stammen. Der ist zwar absolut sauber, aber in seinem langen Fell bleibt hin und wieder was hängen, was er dann wo verliert. Ich hatte zwar gar nicht mitbekommen, daß er unten (Katzenklo in der Waschküche unten) gewesen war, aber möglich ist es so. Ich weiß auch nicht, ob der Köttel damit zu tun hat. Ich habe also saubergemacht und bin wieder ins Bett gegangen.

Am nächsten Morgen kurz vor fünf wurde ich wach von einem gleichmäßigen Klopfgeräusch.

Zuerst dachte ich, es wäre im Kleiderschrank, aber das war es nicht, Es kam von der anderen Seite der Wand aus dem Nebenzimmer.

Ich setzte die Brille auf und bin rübergesaust. Am Takt hatte ich schon Willis Zornklopfen erkannt. Vor der Tür saß Katze Muckel ganz verstört. Willi war nicht in seinem Käfig. Er saß hinter dem Sessel auf dem Boden und bollerte mit den Hinterläufen. Sessel vorgezogen, Willi gefangen und wieder ab mit ihm zum Käfig.

Der Käfig war rundum zu. Er besteht aus einer Plastikschale unten und einem darauf angeklammertem Drahtgehäuse. Diese Klammern waren alle fest, die Seitenklappe war zu und mit einem Verschluss gesichert und der aufklappbare Deckel ebenfalls zu. Der ist an drei Stellen mit Haken gesichert. Völlig unmöglich, daß Willi den Käfig aufgemacht hat, dazu braucht es wirklich Menschenfinger. Erst recht unmöglich, daß er ihn wieder zugemacht haben soll. Außerdem, der Käfig steht auf einer Kommode. Hätte Willi den Käfig irgendwie durch die Rückwand verlassen, hätte er abstürzen und zwischen Kommode und Wand feststecken müssen. Wäre er nach rechts oder links entwichen, hätte er die danebenstehenden Sachen mit runterreißen müssen. Nach vorn, zum Zimmer hin, ist kein Hindernis, aber eben die Höhe, aus der er hätte fallen müssen. Ein Kaninchen kann schon gut einen Sturz aus dieser Höhe überstehen, wenn es Glück hat. Oder sich auch was brechen, beides ist möglich. Trotzdem, der Käfig war rundum zu. Ich begreife das nicht. Die Meerschweinchen, die auch im Zimmer sind, waren noch in ihrem Käfig.

Ich kann auch nicht sagen, wie lange der Willi unterwegs war. Die Kiste mit dem Grünfutter war nicht angerührt, obwohl sie auf dem Boden steht und erreichbar gewesen wäre. Ich habe bisher auch noch keinen Haufen auf dem Teppich gefunden. Zurück im Käfig hat der Willi sich auch nicht an die Wasserflasche gehängt. Das Trockenfutter, was ich ihm gegeben habe, hat er aber gleich gefressen. Er ist gesund und unversehrt, froh, wieder im Käfig zu sein. Willi ist schon ein altes Kaninchen, der ist froh, wenn er seine Ruhe hat und will nicht mehr auf Abenteuer gehen.

Als ich den Willi hinter dem Sessel hervorholte, fand ich da noch eine Garnspule liegen, die zu meiner Nähmaschine gehört und für gewöhnlich in einem Fach des Nähmaschinengehäuses steckt. Ich habe die Maschine vor Wochen zuletzt benutzt, seitdem mehrfach auch den Sessel vorgezogen und da sauber gemacht. Da hätte ich sie längst finden müssen, wenn sie da gelegen hätte. Oder sie wäre im Staubsauger verschwunden.

Am Vormittag fehlte mir in diesem Zimmer mal wieder eine Stricknadel aus dem Korb. Etwa zwei Stunden später habe ich sie auf dem Teppich gefunden, wo ich x-mal dran vorbei gegangen bin in der Zwischenzeit. Ich hatte auch diese Stelle abgesucht, sie war nicht da.

Später habe ich dann Willis Käfig saubergemacht und ihn zu diesem Zwecke auseinandergenommen (den Käfig, nicht den Willi). So habe ich mich noch einmal überzeugt, daß wirklich alles zu war. (1)

Ich habe die Geschichte mit Willi bei Freunden erzählt. Nicole, eine Freundin, war am Abend noch bei mir und wir haben ihrem kleinen Sohn die Meerschweinchen gezeigt, die er noch nicht gesehen hatte. Die beiden hatten weder Grund noch Möglichkeit, einen Käfig aufzumachen. Ich war ja dabei, das Füttern, wo ich noch mal an den Käfigen war, war später. Nicole kann sich das Entkommen ebenso wenig erklären wie ich.

Mein Kumpel, der die Tiere und Käfige ebenfalls kennt und Schlosser gelernt hat, hat mir auch bestätigt, daß es unmöglich ist, daß Willi selbst ausgebrochen ist. Ganz und gar undenkbar ist es erst recht, daß er den Käfig wieder verschlossen haben soll. Dazu hätte er in der Luft schweben und Hände haben müssen. Es war nach Nicole mit Kind am Abend außer mir kein Mensch mehr im Hause, zumindest kein lebender.

In dem Zimmer hatte ich vor fünf Jahren mal ein Vorkommnis. Es war gerade frisch tapeziert. An einem schönen Sonntagmorgen saß ich draußen in der Sonne, als es im Haus furchtbar polterte. Die Fenster dieses Zimmers waren offen, ich saß darunter, hörte den Krach und rannte hoch, um nachzusehen. An mehreren Stellen war die erst vor kurzem angebrachte Tapete beschädigt, Fetzen hingen herunter. So, als ob etwas Schweres dagegen gepoltert und heruntergerutscht wäre. Eine solche Beschädigung war sogar hinter dem großen Schrank. Es waren aber keine schwere Sachen da, die auf dem Boden unter den Macken gelegen hätten. Beim Schrank war es sogar noch kurioser: Ein zusammengerolltes Poster, das obenauf gelegen hatte, war schon vorher hinten runtergefallen und etwa auf Kopfhöhe stecken geblieben. Da ich es nicht fassen und herausziehen konnte, hatte ich es erst mal da stecken lassen. Nun war die Beschädigung direkt darunter, ohne daß das Poster etwas abbekommen hätte. Da kann gar nichts runtergefallen sein. Auch an den anderen Stellen hätten diese Dinge sich ja wohl in der Luft materialisieren, die Tapete zerreißen und sich wieder in Luft auflösen müssen. Mein Nachbar ist Malermeister. Ihn zog ich zu Rate, d. h. er wusste keinen, konnte sich das auch nicht erklären. wie die Tapete zu  Schaden gekommen sein sollte, wenn nicht durch dagegen gekrachte Gegenstände. Die Tapete habe ich wieder ausgebessert, seitdem ist sie unversehrt geblieben.

Im Zimmer direkt darunter hatte ich auch schon Phänomene, eine Kinderstimme in der Luft, eine unsichtbare Hand, die die Kerze quer über das Vertiko schob. Naja, in den anderen Räumen ist auch schon was passiert. Ein Schraubenzieher, den ich mal im Hof fand und dessen Herkunft ich mir bis heute nicht erklären kann, lag direkt unter dem Fenster des Zimmers mit den Käfigen.

Damals waren die Tiere aber noch nicht da. Willi war zuvor in einem anderen Käfig im Stall gewesen. Da habe ich ihn auch schon zwei Mal auf dem Boden hoppelnd vorgefunden, was ich mir bis heute nicht erklären kann. Oder war es Rudi, das andere Kaninchen, das inzwischen gestorben ist? Ich kann mich da nicht mehr genau erinnern, liegt schon ein paar Jahre zurück. Gegenüber bei Nachbarin Erna gibt es Dutzende Kaninchen, aber wenn da mal eines unterwegs ist, ist auch wirklich der Stall offen gewesen.

Jetzt sage mir mal jemand, was das zu bedeuten hat? Wenn die Phänomene anfangen, auf die Tiere überzugreifen, muss ich was unternehmen.

Am Morgen darauf war der Willi brav in seinem Käfig und nichts war anders, als es sein sollte.

Dafür habe ich am 6. Juni erfahren, daß bei meiner Schwester Willis (Kaninchen-)Familie letzte Woche schwer in Gefahr war. Da waren in der Nachbarschaft spätabends noch große Hunde unterwegs, ohne Kontrolle, die Besitzer sturzbetrunken. Diese Hunde hatten den Hasenkäfig mit Hoppeline und den Kleinen angegriffen. Kratzspuren am Holz sind deutlich zu sehen. Es war wohl ein Höllenlärm, aber meine Schwester und mein Schwager haben nicht gleich gewusst, woher der Krach kam. An den Hasenkäfig hatten sie in ihrer Verwirrung erst gar nicht gedacht, bis mein Schwager aus dem Waschküchenfenster sah und die Hunde am Käfig fand. Er hat sie  natürlich gleich vertrieben, die Hasis sind alle heil geblieben. Dieselben Hunde hatten einen anderen Mann nicht die Straße entlang gehen lassen, er musste einen großen Umweg machen, um nach Hause zu kommen. Ich hoffe, daß die Besitzer ordentlich Ärger kriegen. Dieser Hundeangriff war aber schon eine Woche zuvor, also nicht zeitgleich mit Willis Teleportation. (2 & 3)

Anmerkungen der Redaktion:

(1) In diesem Raum waren zuvor nach Schilderung der Verfasserin öfters Dinge verändert oder verschwunden, ferner wurde sie dort einmal von unsichtbarer Kraft zu Boden geworfen und einmal zog sie sich Verletzung am Zeh zu, als eine Schublade runter stürzte. Wir fragten, natürlich zunächst immer auf Suche nach rationellen Erklärungen, ob nicht möglicherweise jemand das Kaninchen rausgelassen hatte? Dies scheint jedoch wie Bericht weiter zeigt, nicht der Fall gewesen zu sein.

(2) Wie wir gelesen haben, wollte also Willi nicht seiner Familie zur Hilfe eilen. Auch ist nicht anzunehmen, dass er seine Verwandten besuchen wollte und hierbei auf paranormale Weise den Käfig verlassen hatte. Damit bleiben die Sache mit Willi wie auch die anderen geschilderten Geschehnisse rätselhaft. Über den Fortlauf der Geschichte werden wir uns informieren und ggf. weiter darüber berichten. Wer ähnliches erlebt hat oder wer Idee hat, wie man sich helfen kann in solch Situation, möge uns bitte anschreiben.

(3) Trauriger Nachtrag: Sowohl der Willi, als auch erwähnter Kater Wuschel sind noch im Jahr 2006 verstorben.

 

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