Interviews


Von Spukerscheinungen, Zeitreisen und UFOs
Interview mit Roland M. Horn

Der vielseitige 1963 in Erbach/Odw. geborene Buchautor gehört zu den TW-Publizisten „der ersten Stunde“. So danken wir ihm für seine interessanten Beiträge zu Zeitreisen (TW 1/2000) und Spukerscheinungen. Das folgende Interview möge einen kleinen Überblick über die von Roland M. Horn zahlreichen behandelten Para-Themen und deren Background geben.

Frank Klare: Roland, wie kam es, daß du dich als Autor gerade grenzwissenschaftlichen Themen zuwandtest?

Roland Horn: Es ist eigentlich eher umgekehrt. Ich war erst auf grenzwissenschaftlichem Sektor tätig, untersuchte UFO-Sichtungen. Erst danach schrieb ich ein Buch darüber („Wie die Untertassen fliegen lernten“, Plaidt 1998, heute nicht mehr erhältlich, eine Neuauflage wartet noch auf einen Verleger) und fand Gefallen am Schreiben, während gleichzeitig andere Sektoren des grenzwiseenschaftlichen Genres mich immer mehr faszinierten.

F.K.: Gibt es bei dir eigene „seltsame Erlebnisse“ , die dich veranlassten, dich als Autor mit diesen Themen auseinanderzusetzen?

R.H.: Nein. Ich sah noch nie ein UFO oder eine geisterhafte Erscheinung.

F.K.: Des weiteren bist du ja Mitglied in einigen grenzwissenschaftlichen Organisationen. Was sind das im Einzelnen für Gruppen und werden hier auch Fallrecherchen durchgeführt?

R.H.: Ich bin Mitglied in der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens e.V., die sehr viele Fall-Untersuchungen durchführt und des Forum-Parawissenschaften, das die lobenswerte Zielsetzung hat, eine Brücke zwischen der „Pro“- und „Contra“-Funktion zu bilden. Weiter bin ich Mitglied der bekannten FG-AAS.

F.K.: Nun, wie wir (TW-Redaktion, was uns viele Leser leider übel nehmen) stehst du ja auch mit der sog. Skeptikerbewegung in Verbindung. Ich sprach vor einiger Zeit bereits (mit dem Skeptiker) T.A. Günter darüber (siehe Interview in TW 1/2001), was anzuraten wäre, damit sich „beide Seiten“ aufeinander zu bewegen können  – ohne daß es in Beschimpfungen und Rechthaberei ausartet. Was meinst du dazu?

R.H.: Naja, es wird immer wieder mal Fälle von Rechthaberei und ähnlichem geben, das sind eben menschliche Schwächen. Ich denke, dass Edgar Wunder, der Leiter des Forums Parawissenschaften, auf dem richtigen Weg ist, der beide Seiten ernstnehmen und einen Dialog mit ihnen führen will.

F.K.: Wäre es dennoch nicht falsch, den Austausch mit Skeptikern zu meiden? Wer sich nur auf der „Proseite“ bewegt, sieht doch nur die eine Seite der Medaille – wenn man aber ernsthaft bemüht ist, wirklich etwas zu bewegen, läuft man da nicht mit Scheuklappen durch die Welt?

R.H.: Also zunächst: Was ist ein „Skeptiker“? Da stimmt schon mal die Begriffsdefinition nicht. Da sind Leute, die sich mit Paranormalem beschäftigen und hier und da die Erkenntnisse der Schulwissenschaft anzweifeln. Eigentlich müssten diese Personen als Skeptiker bezeichnet werden. Stattdessen gelten sie als „Vertreter paranormaler Thesen“ und diejenigen, die ihnen gegenüber den aktuellen Stand der Schulwissenschaft verteidigen, nennen sich „Skeptiker“. Ist eine etwas merkwürdige Definition. Den Kontakt mit selbst erklärten Skeptikern sollte man keinesfalls meiden, denn sie suchen gezielt nach Informationen, die einen gewissen Fall in Frage stellen, was der „Pro-Forscher“ nicht tun würde - und umgekehrt - insofern sind Informationen aus beiden „Lagern“ von enormer Wichtigkeit.

F.K.: Das sehe ich ganz genauso, aber gehen „Gläubige“ wie „Skeptiker“ trotzdem nicht oftmals einfach zu sehr mit einer vorgefassten Ansicht an die Dinge heran, indem sie im Vorfeld schon „gibt es“ bzw. „gibt es nicht“ denken, ohne unvoreingenommen mal neutral-denkend hinzuschauen?

R.H.: Ja, sicher ist das so, deswegen sollten man unbedingt beide Seiten hören, um sich ein Urteil erlauben zu können.

F.K.: Nun, in deinem letzten Buch „Gelöste und ungelöste Mysterien dieser Welt“ warst du so mutig, vier Schubladen zu bepacken, nämlich „Bislang ungelöste Rätsel“, „Immer noch nicht restlos geklärt“, „Beinahe gelöste Rätsel“ und (!) „Geklärte Rätsel“, zu denen deines Erachtens das Marsgesicht, das Philadelphia-Experiment und die Montauk-Geschichten zählen. Wie gelangtest du zu diesem Resumee?

R.H.: Das Marsgesicht erschien nach der scharfen MGS-Aufnahme nicht mehr als ein Gesicht. Man konnte deutlich sehen, dass die beiden Viking-Bilder aufgrund der relativen Unschärfe aus bestimmten gewissen Winkel aufgenommen wie ein Gesicht wirken. Vor MGS hielt ich die Künstlichkeitsthese für wahrscheinlich. Jetzt nicht mehr. Das Philadelphia-Experiment fand wirklich statt: Es ging um die „Unsichtbarmachung“ eines Schiffes für deutsche Torpedos. Im „Stille-Post-System“drang die Geschichte nach außen, bis sie einen wunderlichen Knaben namens Carlos Allende erreichte, der den UFOlogen Morris K. Jessup mit seinen Geschichten von einem „Schiff, das unsichtbar gemacht wurde“, in seinen Bann zog. Dies ist nur ein knapper Abriss. Die Geschichte hat noch mehr Facetten. Das Montauk-Experiment ist unglaubwürdig. Lest nur mal das erste Buch. Da wird sich einerseits auf das Philadelphia-Experiment bezogen, und dann werden Passagen aus Science-Fiction-Filmen übernommen. Absolut unglaubwürdig!

F.K.: Mir fiel auch auf, es sind vor allem sog. „Verschwörungsthematiken“, die du eher als geklärte Rätsel präsentierst. Wie ist im Allgemeinen deine Einstellung zu „Verschwörungen“, wo es ja gar eine eigene Szene / eigene Gruppen gibt?

R.H.: Ich glaube nicht, dass es Verschwörungen gibt, die mit grenzwissenschaftlichen Angelegenheiten zu tun haben. Unabhängig davon ist im politischen Bereich vieles möglich.

F.K.: Bleiben wir noch bei „heißen Themen“. 1999 erschien zusammen mit Lars A. Fischinger das Buch „UFO-Sekten“ – wo allein schon der Titel sehr provokant wirkt. Wie lautet die Message dieses Werkes?

R.H.: Vorsicht bei Sekten aller Art! Viele bauen neuzeitliche Sekten auf, in denen eben die Außerirdischen im Mittelpunkt stehen, die Grundsätze sind aber die gleichen wie in allen Sekten. Es geht darum, den Menschen mehr oder weniger gefügig zu machen, ohne dass jener es selbst merkt. It works! Also Vorsicht!

F.K.: Du warst ja vor Jahren selbst Mitglied in einer größeren UFO-Gruppe. Wieweit hat diese Mitgliedschaft zum Buchmanuskript beigetragen?

R.H.: Ich bin wie bereits erwähnt Mitglied der GEP. Viele UFO-Fälle habe ich in enger Zusammenarbeit mit HaWe Peiniger, dem langjährigen Vorsitzenden der GEP, durchgeführt, bzw. habe dessen Meinung zu meiner Analyse erbeten. Wenn man aktiv tätig ist, bekommt man natürlich auch viel mit, was im Hintergrund abläuft. Von HaWe Peiniger konnte ich viel lernen. Auch das umfangreiche Basiswissen von Werner Walter hat mich weitergebracht, ebenso wie die Analysen von Wladislaw Raab.

F.K.: Welche UFO-Hypothese würdest du folglich als die am Wahrscheinlichste betrachten?

R.H.: Betrachtet man das UFO-Phänomen gesondert, muss man feststellen, dass nicht viel übrig bleibt. Es gibt einige Fälle, die kaum oder nur andeutungsweise ein gemeinsames Muster ergeben. Nicht gerade sehr ergiebig. Schwer zu sagen.

F.K.: Zeitreisen ist ein weiteres Thema, mit dem du dich intensiv auseinandergesetzt hast, ich denke da etwa an dein Buch „Sie kamen aus der Zukunft“. Was meinst du, wird es in absehbarer Zeit von Menschenhand gebaute Zeitmaschinen geben? Sind ferner UFO-Insassen oder gar „Geister“ (mitunter) Zeitreisende?

R.H.: Früher oder später werden Zeitreisen durchgeführt werden. Die theoretischen Grundlagen sind bereits gelegt, bis es aber zur praktischen Durchführung kommt, wird es möglicherweise noch lange dauern. Es fehlen noch einige grundlegende Dinge (der Stoff, der ein Wurmloch offenhalten könnte, ist noch nicht bekannt, und die Finanzierung würde ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellen). Wenn diese (und einige andere) Probleme gelöst sind, wird es zur Durchführung von Zeitreisen kommen. Dann ist es sicherlich auch nicht auszuschließen, dass die eine oder andere Geister- oder UFO-Sichtung auf Zeitreisende zurückzuführen ist.

F.K.: Im Buch führst du auch die Hypothese der „Parallelrealitäten“ an, d.h., wie bei einem Baum die Zweige, bilden sich ständig (vor Entscheidungssituationen) quasi neben der bestehenden – eine weitere , will sagen, „alternative Realität“. Gibt es möglicherweise also unendlich viele Paralleluniversen, haben wir so eine weitere Erkärung für die Herkunft von „Unerklärlichem“?

R.H.: Der Physiker Hugh Everett hat die „Vielwelten-Theorie“ ins Spiel gebracht. Allerdings glaubt er, dass die verschiedenen Welten nicht miteinander in Kontakt kommen würden. Wenn dies aber ausnahmsweise hier und da doch geschähe, hätten wir eine Erklärung für nicht wenige Phänomene.

F.K.: Nun konnten die TW-Leser soeben den letzten Teil von „Spukerscheinungen“ lesen. Gibt es hier noch etwas anzumerken?

Nein, das Kapitel wurde ja vollständig abgedruckt. Vielleicht möchten die Leser noch Fragen dazu stellen?

F.K.: Schließlich abschließend die Frage – was kommt? Bestimmt ist wieder ein Buch in Arbeit?

R.H.: Ein weiteres Buch zum Thema „Zeitreisende“ wird im Frühjahr bis Sommer 2001 im Bohmeier-Verlag erscheinen. Danach folgt im gleichen Verlag ein Buch zum Thema „Rätselhafte Tiererscheinungen“, das u.a. auch wieder Parallelen zum UFO-Phänomen und zu paraphysikalischen Phänomenen aufzeigt, und z.Zt. arbeite ich an der Überarbeitung des Buches „Das Erbe von Atlantis“, das z.Zt. nicht erhältich ist. Es wird ebenfalls im Bohmeier-Verlag erscheinen.

F.K.: Nun Roland, in der Hoffnung, daß du uns auch weiterhin als Autor in der TW treu bleibst, bedanke ich mich für das Gespräch.

R.H.: Gern geschehen!

Das Interview mit Roland M. Horn führte Frank Klare im Januar 2001

Anhang

Bisher erschienene Bücher von Roland M. Horn:
- LEBEN IM WELTRAUM (1997), Moewig-Verlag
- IN DEN HÄNDEN FREMDER MÄCHTE (1997), M. Heinz Bremm Verlag
- DAS ERBE VON ATLANTIS (1997), CTT-Verlag (nicht mehr erhältlich)
- WIE DIE UNTERTASSEN FLIEGEN LERNTEN (1998), MG-Verlag (nicht mehr erhältlich)
- 2000 DER GROSSE UMBRUCH (1998), Boehlau-Verlag
- UFO-SEKTEN, mit Lars A. Fischinger (1999), Moewig-Verlag
- ERINNERUNGEN AN ATLANTIS (1999), Bohmeier-Verlag
- SIE KAMEN AUS DER ZUKUNFT (2000), Bohmeier-Verlag
-
GELÖSTE UND UNGELÖSTE MYSTERIEN DIESER WELT (2000), Dr. Bachmaier Verlag

 


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