Interviews


Der Skeptiker
Interview mit T.A. Günter

T.A. Günter, geboren 1978  in Rathenow, ist Initiator der kritischen Online- Publikation „UFO Student“, zudem Mitglied der GEP e.V., Lüdenscheid und Leiter der CENAP-Außenstelle in Berlin und Brandenburg. Wie es dazu kam, dass er sich in relativ jungen Jahren den Skeptikern anschloss, wie er sich zur Pro-Position äußert und welche Erkenntnisse es auf den Paragebieten seinerseits zu berichten gibt, darüber soll das folgende Interview etwas Aufschluss geben:

Frank Klare: Bestimmt wird doch niemand als Skeptiker geboren. Erzähle doch mal, wie alles bei Dir anfing.

T.A. Günter: Ich erinnere mich noch genau an die Zeit, als ich Geistern, UFOs und allem was man im Allgemeinen „unerklärliche Phänomene“ nennt, sehr zugetan war. Ich glaubte daran, ohne großartig nachzufragen. Durch ein eigenes Erlebnis in meiner Kindheit wurde dieser Glaube auch sehr intensiv ausgeprägt. Ich begann daraufhin alles zu lesen, was ich zu den Parathemen in die Finger bekommen konnte, sah Fernsehsendungen und brachte damit viele Verwandte fast zur Verzweiflung. Meine Bibel war Haining’s „Großes Gespenster-Lexikon“, welches über alle möglichen Geisterarten zu berichten wusste und mich sehr faszinierte.

Irgendwann wollte ich über das Studium der Meinung anderer hinausgehen und gründete die „Privateinrichtung zur Studie außergewöhnlicher Vorfälle“ (PSAV), die jedoch nie so richtig zum Zuge kam und schon bald wieder in der Versenkung verschwand, wie man es auch heute noch bei vielen kleinen Gruppen und Vereinen feststellen kann. Doch es kam zu Untersuchungen von berichteten Spukfällen und UFO-Erscheinungen auf lokaler Ebene. Damals natürlich noch mit dem enthusiastischen Eifer eines Glaubenden. Wie groß war die Enttäuschung als es trotz der, doch sehr laienhaften Beschäftigung natürliche Erklärungen gab.

Ich widmete mich mit der Zeit immer mehr den UFO-Berichten und verlor meine anfängliche Scheu, auch den Skeptikern zuzuhören. 1997 trat ich dann der „Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens“ (GEP) bei, da dort eben individuellen UFO-Fall-Untersuchungen im Vordergrund standen. Doch auch hier gab es fast immer eine Klärung des Sachverhalts.

Um auch auf anderen Gebieten mehr zu erfahren, trat ich der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP) bei, später dann dem „Forum Parawissenschaften e.V.“ Für mich bedeutet Skepsis, dass ich die gegebenen Fakten kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt untersuche. Dies hat nichts mit Wegerklärerei zu tun, sondern ist notwendig, wenn man wirklich herausfinden will, was hinter den Phänomenen steckt. Dieser Weg ist auch mit herben Enttäuschungen gepflastert, wenn man feststellt, dass sich vieles entmystifizieren lässt, aber wenn man tatsächlich an der Wahrheit interessiert ist, dann akzeptiert man diese auch in ihrer unbequemen Art. Viele meiner Träume und mein blinder Glaube wurden durch die Erfahrung zerstört, doch ich denke, dass ich der Realität so wieder ein Stück näher gekommen bin.

F.K.: Wodurch entstand Dein Kontakt zu Werner Walter und wie entstand die Zusammenarbeit?


T.A.G.: Der Kontakt zu Werner Walter, dem Mitbegründer des CENAP, kam im Januar 1999 zustande als ich im Begriff war eine Regionalgruppe der GWUP zu planen. Da ich mich vor allem mit den UFOs beschäftigte, kam ich an einer Kontaktaufnahme mit dem Mannheimer Ufologie-Kritiker und Forscher nicht vorbei. Und so bot er mir auch gleich – ich muss gestehen, etwas überraschend – den Job als Regionalermittler für das Havelland (Brandenburg) an.

Inzwischen war wegen interner Streitereien die GWUP-Außenstelle ins Wasser gefallen und ich widmete mich ganz dem CENAP, startete eine umfangreiche Presseaktion und begann UFO-Berichten nachzugehen. Da CENAP eher eine lockere Vereinigung ist, arbeite ich weitgehend autonom, stehe jedoch im engen Kontakt zu verschiedenen Kollegen, darunter übrigens auch Vertreter unkonventioneller Erklärungen.

Bemerkenswert ist, dass mir mein Kontakt zu Kollegen wie Walter oder Henke immer wieder vorgeworfen wird. Als ob das eine ansteckende Krankheit wäre. Es scheint für viele Gläubige ein rotes Tuch zu sein. Ein kindisches Verhalten. Das kommt dann meist von Leuten, die mich persönlich gar nicht kennen.

F.K.: Wie stehst Du persönlich zu der Tatsache, dass die meisten Menschen, welche die Pro-Seite vertreten, alles daran setzen, Werner Walter, Rudolf Henke und Dir aus dem Weg zu gehen?
Wie stehst Du zu dem Vorwurf, dass Ihr nur alles wegerklären möchtet?

T.A.G.: Tja, es wird sich wohl kaum etwas daran ändern ... wer eine so festgefahrene Meinung hat und grundsätzlich dem Willen zu glauben erlegen ist, der wird wohl kaum auf andere Standpunkte auch nur ansatzweise eingehen.

Oftmals geht es einfach darum, ein bestimmtes Feindbild, nämlich das der „bösen Skeptiker“, aufrecht zu erhalten und zu pflegen. Wenn man sich unter den Menschen umsieht, die sich mit unserer Thematik beschäftigen, wird einem kaum die Oberflächlichkeit entgehen, mit der an die Sache herangegangen wird. Viele forschen nicht selbst, schreiben dafür aber umso mehr.

Die Leute machen vor allem den Fehler, jeden der sich selbst Skeptiker nennt sofort in die Schublade mit den anderen Debunkern zu stecken. Mit Werner Walter als Deutschlands „UFO-Debunker Nr. 1“ wird CENAP assoziiert, weswegen natürlich alle Mitglieder dieser Organisation gleichsam Wegerklärer sein müssen. Eine unlogische Formel, wenn man bedenkt, dass zum CENAP auch Forscher gehören oder gehörten, die der ETH beispielsweise sehr offen gegenüber stehen. Aber das will man offenbar nicht wahrhaben. Ich denke, dass es weniger eine Rolle spielt, welcher Theorie oder Hypothese man anhängt, als vielmehr der Art der Beweisführung um diese zu untermauern.

Ich stehe durchaus offen den verschiedenen Vertretern auch unkonventioneller Erklärungsmöglichkeiten gegenüber, aber es muss mir doch wohl erlaubt sein, zu überprüfen, was dran ist an den Behauptungen. Niemand will was wegerklären, da auch wir begeistert wären, wenn da nun tatsächlich mal irgendwas Neues, bis dato Unbekanntes auf der Bildfläche erscheinen würde. Dies ist nur bisher halt noch nicht bewiesen worden. Solange halten wir also auch still, bevor wir zu früh jubeln.

F.K.: Ich sage, die Wahrheit liegt doch oft bestimmt in der Mitte. Was können beide Seiten tun, um sich konstruktiv aufeinander zu zubewegen?

T.A.G.: Ob die Wahrheit tatsächlich in der Mitte liegt, hängt vor allem davon ab, wie man die Seiten interpretiert. Wenn man unter den Skeptikern eher die „bösen Wegerklärer“ und „Debunker“ versteht, die schon vor der Untersuchung von Parawissenschaften eine vorgefasste Meinung haben, dann liegt die Wahrheit wahrscheinlich tatsächlich in der Mitte. Doch so einfach gestrickt, wie es viele Gläubige und Befürworter gerne hätten um ihr „Feindbild“ zu erhalten, ist es dann doch nicht.

Der wahrhaftige Skeptiker steht den berichteten Erlebnissen vollkommen neutral gegenüber. Er überprüft unvoreingenommen die gegebenen Fakten und wertet dann. Dies passt nicht in das Debunker-Bild der Befürworter, welches immer wieder aufrecht erhalten wird. Aber was soll man machen? Jeder Versuch eines gemeinsamen Konsens wird im Keim erstickt.

Das jüngste Beispiel dafür, dass eine Einigung nicht gewünscht wird, ist mein Kollege Dennis Kirstein. Er wurde als Herausgeber des ET-Magazins, in welchem ein Konsens zwischen Pro und Kontra angestrebt wird, heftigst angegriffen, weil er Skeptiker in seinem Internet-Organ zu Wort kommen ließ. Dabei wird seit Jahren nach einer solchen Plattform für ein gemeinsames Miteinander gerufen; doch nun, wo ein solches Magazin angeboten wird, erntet man nichts als weitere Streitereien und Hass. Ebenso bedenklich ist es, wenn bei einer Tagung der deutschen UFO-Forscher sämtliche Vertreter der Pro-Seite die Einladung ausschlagen, weil sie sich mit ihren Kritikern nicht an einen Tisch setzen wollen. Das stimmt mich schon etwas traurig, welche Aggression einem da entgegenschlägt.

F.K.:
Du bist ja vor allem der UFO-Forschung sehr zugetan. Wie entstand Deine jüngste Publikation, der „UFO-Student“ und was hat es mit dem Studenten auf sich?

T.A.G.: „Der UFO-Student“ ist eine kritische Zeitschrift für das Internet, welches sich in der letzten Zeit immer mehr als Plattform für Informationen über Parawissenschaften herauskristallisiert hat, unter www.ufo-student.de. Der UFO-Student, kurz US genannt, richtet sich an die Phänomene-Untersucher, die sich ernsthaft und tiefgründig mit dem Thema der unidentifizierten fliegenden Objekte auseinandersetzen wollen, ist also kein Hobby-Magazin. Hierbei wird unter UFO auch das verstanden, was der Begriff ursprünglich aussagt, nämlich eine vorerst nichterkannte Erscheinung im Luftraum – nicht mehr und nicht weniger. er UFO-Mythos als solcher wird ebenfalls kritisch betrachtet.

Die Idee zu diesem Online-Magazin kam eigentlich mehr so aus dem Bauch raus. Am 31.12.1999; einem Datum mit Bedeutung; trat der US dann erstmals aus dem Schatten und fand auch gleich Anklang, obwohl ich schon von Beginn an den Angriffen gewisser Leute ausgesetzt war.

F.K.: Bisher gibt es den UFO-Student nur im Internet. Ist auch eine Papierversion in Planung, für interessierte Leser ohne Internetzugang?


T.A.G.: Vorerst leider nicht. Die Texte waren bisher meist sehr lang plus Bildmaterial, so dass jedes Mal eine sehr umfangreiche Ausgabe werden würde, was im Internet selbst ja kein Problem darstellt. Dies wäre bei einer Printversion von den Kosten her nicht zu tragen, da skeptische Literatur sowieso eher wenig gelesen wird. Anders ist dies bei unserer Online-Version, da diese kostenlos abrufbar ist und oftmals dadurch mal eben so mitgenommen wird. Aber man soll ja niemals nie sagen.

F.K.: Neben der UFO-Thematik hast Du auch reges Interesse am Okkultismus, speziell am jugendlichen Okkultismus. Wie kam das und was hat es damit auf sich?

T.A.G.: Durch meine Ausbildung zum Erzieher kam ich auch zwangläufig mit dem Okkultismus bei Kindern und Jugendlichen, speziell dem Spiritismus; also der Kontaktaufnahme mit Geistern und Verstorbenen; in Berührung. Bis dato kannte ich diesen Aspekt auch aus meinem Bekanntenkreis, da okkultistische Praktiken wie Gläserrücken oder Pendeln unter Jugendlichen weit verbreitet sind. Aus den Berichten heraus erfuhr ich auch ziemlich schnell, dass sich gewissen Gefahren hinter manchem „Geisterspaß Marke Self-made“ verbergen. Ein Bekannter hatte sich nach einer Seance versucht umzubringen und eine Freundin berichtete nach dem Gläserrücken von unheimlichen Ereignissen in ihrer Wohnung. Wie im berühmten Zauberlehrling, wurden sie die Geister, die sie riefen einfach nicht mehr los. Dies ist ein gefährlicher Freizeitspaß, der jedoch oftmals unterschätzt wird.

Die Mechanismen, physikalischer und psychologischer Art, die während einer Sitzung mit Hilfsmitteln wie Gläser, Pendel oder Tischchen etc. auftreten, sind inzwischen ja bekannt (etwas komplizierter als nur Carpenter-Effekt zu sagen, ist es dann aber doch
.

Ich bin auch immer daran interessiert etwas über die Erlebnisse von Menschen mit solchen Praktiken zu erfahren. Wer von den TW-Lesern also schon selbst Erfahrungen gesammelt hat, kann mir ja schreiben; gleiches gilt auch für UFO-Erfahrungen.

F.K.: Was geschieht Deiner Meinung nach eigentlich nach dem Tode?

T.A.G.: An dieser Stelle verhalte ich mich neutral und sage nicht Ja und nicht Nein zum Leben danach; in welcher Form auch immer. Ich würde mich vielmehr darauf beschränken, die einzelnen Behauptungen kritisch zu prüfen. Dabei wird man ja sehen, welche der Aussagen, einer Überprüfung standhalten und welche nicht.

F.K.: Welche Literatur würdest Du den TW-Lesern empfehlen, die bereit sind, sich auch einmal mit Eurer Position auseinander zusetzen?

T.A.G.: Zwischen der intensiven Auseinandersetzung und der einfachen Kenntnisnahme, dass es eine kritische Seite gibt, liegt ein himmelweiter Unterschied.

Für UFO-Interessierte seien kurz zwei Werke genannt, zum einen Hans-Werner Peiniger’s „Das Rätsel – unbekannte Flugobjekte“, welches sich sehr verständlich mit dem Phänomen auseinandersetzt und einen Einblick in die Arbeit der GEP gibt, zum anderen Uli Thieme’s „Ein UFO-Mythos stürzt ab“, eine Dokumentation, die nur über den Autor zu beziehen ist und sich um den berühmten Roswell-Fall dreht.

Für die TW-Leser dürfte an skeptischer Literatur im Geister/Spiritismus-Bereich sicher größerer Bedarf sein. Auch hier will ich zwei Publikationen nennen. Da wäre erstens „Okkultismus – Materialien zur kritischen Auseinandersetzung“ von Wolfgang Hund, in der nicht nur einfach entzaubert wird, sondern dies auch sehr gut anhand der Beispiele und Experimente nachzuvollziehen ist, zweitens empfehle ich das Buch von Dr. jur. Herbert Schäfer „Poltergeister und Professoren“, welches von Prof. Bender und seinen „Geistern“ handelt.

Vielleicht macht sich ja tatsächlich jemand die Mühe und versucht sich mal an derart skeptischer Lektüre.

F.K.: Vielleicht abschließend ein paar Worte an die Leser, die sich gerade ärgern, diese Seiten in der TW zu finden.

T.A.G.: Warum sollte sich jemand darüber ärgern? Das tut doch sicher nur derjenige, der absolut nicht bereit ist, sich mit uns Kritikern auseinander zusetzen und da werden ein paar Worte ganz bestimmt nichts daran ändern. Vielleicht nur so viel, dass man auch der skeptischen Seite zuhören sollte; ein Weg, den die IGP ja bereits angesteuert hat und auch hoffentlich beibehält; blinder Glaube oder Pseudoskepsis bringen überhaupt nichts ein.

Danke für das interessante Gespräch. Das Interview mit T.A. Günter führte Frank Klare im Juli 2000.
Update Juni 2009

 


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